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Susanne Kailitz
Kämpfer gegen Barrieren

Martin Warmuth

Als Martin Warmuth kurz nach der Wende von seinem Bruder gefragt wurde, ob er mit ihm ein Autohaus übernehme, hatte der damalige Leiter eines Rechenzentrums nur eine Bedingung: "Ich wollte unbedingt, dass wir Fahrzeuge behindertengerecht umbauen." Denn Warmuth, der nach Kinderlähmung seit seinem 13. Lebensjahr im Rollstuhl sitzt, hatte in der DDR erlebt, wie viele Einschränkungen es bedeutete, die eigenen Beine nicht nutzen zu können. "Damals gab es keine Autos mit Automatikschaltung. Für viele Behinderte hieß dass, dass sie entweder nicht fahren konnten oder sich komplizierte Vorrichtungen selbst bauen mussten." Inzwischen ist der behindertengerechte Umbau das Hauptgeschäftsfeld des 64-Jährigen. Seine Engagement ist damit aber noch längst nicht vorbei. Er ist stolz darauf, dass sein Heimatort Zeulenroda dank seines Engagements als Stadtrat "schon seit Jahren weitesgehend barrierefrei" ist. Mittlerweile sitz als Warmuth Abgeordneter der CDU im Kreistag von Greiz.

Der Thüringer ist davon überzeugt, dass noch viel zu tun ist: "Ich finde es erschütternd, wenn historische Gebäude für viel Geld saniert und restauriert werden und es auch eine behindertengerechte Toilette gibt, aber keinen Zugang für Rollstuhlfahrer." Deshalb plädiert er sehr energisch dafür, dass angehende Architekten im Studium mehr über derartige Notwendigkeiten lernen sollen. "Das kommt ja nicht nur Menschen zugute, die im Rollstuhl sitzen, sondern auch Müttern mit Kinderwagen oder Älteren." Sein größter Wunsch? "Dass die Barrieren in den Köpfen fallen."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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