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VOR 35 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Die Sache mit der Wanze

2. Februar 1978: Georg Leber tritt zurück

Hildegard Holz war keine Stasi-Spionin, wie der Militärische Abschirmdienst (MAD) vermutete. Sie war "eine anständige, ordentliche, fleißige, gewissenhafte, verlässliche Mitarbeiterin". Im Januar 1978 lobte Verteidigungsminister Georg Leber (SPD) vor dem Bundestag seine ehemalige Sekretärin, die 1974 ins Visier des MAD geraten war, überschwänglich. Der Geheimdienst hatte Wanzen in der Bonner Wohnung der Sekretärin installiert und sie wochenlang widerrechtlich belauscht. Ohne Wissen Lebers, der wegen der Affäre am 2. Februar 1978 zurücktrat. Schon im Dezember 1977 geriet Leber in die Schlagzeilen, als er eingestand, erst jetzt die Tragweite der Spionageaffäre Lutze erkannt zu haben. Das Ehepaar Renate und Lothar Lutze spionierte ab 1972 in Lebers Behörde für die Stasi und wurde 1976 verhaftet. Die Opposition warf dem Verteidigungsminister eine "fahrlässige Behandlung" des Falls vor.

Anfang 1978 berichtete dann die Illustrierte "Quick" von der illegalen Abhöraktion gegen die Leber-Sekretärin Holz. Vor dem Bundestag versuchte Leber "die Sache mit der Wanze", wie er sich ausdrückte, zu erklären. Er habe von dem Verdacht gegen Holz gewusst, nicht jedoch, dass ihre Wohnung abgehört wurde. Nachdem er Mitteilung bekam, dass sich der Verdacht zerschlagen hatte, sei der Fall für ihn abgeschlossen gewesen. Aus diesem Grund habe er nicht über den illegalen Lauschangriff berichtet, als er von diesem dann im März 1977 erfahren habe.

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