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VOR 15 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Länger in Bosnien

19. Juni 1998: SFOR-Mandat verlängert

"Das Land ist noch längst nicht über den Berg", warnte Klaus Kinkel (FDP) am 19. Juni 1998 im Bundestag. Der Außenminister sprach von Bosnien-Herzegowina, wo sich nach dem Zerfall Jugoslawiens Anfang der 1990er Jahre und dem Bürgerkrieg der Frieden noch festigen musste. Keine drei Jahre war es her, dass im US-amerikanischen Dayton unter internationalem Druck ein Friedensvertrag zwischen den Konfliktparteien ausgehandelt worden war, der die Entsendung einer multinationalen Friedenstruppe vorsah. Mit deutscher Beteiligung. Die Bundeswehrsoldaten "erfüllen einen schwierigen Friedensdienst" und "tun das mit Bravour", so Kinkel in der Debatte im Juni 1998, an deren Ende das Parlament das sogenannte SFOR-Mandat ohne zeitliche Begrenzung verlängerte und der Mission weiterhin 3.000 deutsche Soldaten zur Verfügung stellte. 302 Abgeordnete stimmten damals für die Verlängerung des Einsatzes, 78 votierten mit Nein, 190 enthielten sich. Streitpunkt der Aussprache war allerdings weniger das Mandat, sondern eine Äußerung Jürgen Trittins (Bündnis 90/Die Grünen), in der er Parallelen zwischen Bundeswehr und Wehrmacht zog. Joschka Fischer distanzierte sich zwar von seinem Parteifreund, warf der Regierung jedoch vor, die Debatte für Wahlkampfzwecke zu missbrauchen.

Das deutsche Engagement in Bosnien endete im Herbst 2012. Es ist der bis dato längste Auslandseinsatz der Bundeswehr. Insgesamt wurden 63.500 Soldaten in das Balkanland entsandt; 18 verloren dabei ihr Leben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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