Inhalt

VOR 55 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Beginn einer Freundschaft

14. September 1958: De Gaulle empfängt Adenauer

"Ich war von großer Sorge erfüllt, denn ich befürchtete, die Denkweise von de Gaulle wäre von der meinigen so grundverschieden, dass eine Verständigung zwischen uns beiden außerordentlich schwierig wäre." Mit gemischten Gefühlen reiste Konrad Adenauer (CDU) am 14. September 1958 nach La Boisserie, dem Landsitz Charles de Gaulles in Colombey-les-deux-Églises. Doch was dann beim ersten Treffen des Kanzlers mit dem damaligen Ministerpräsidenten Frankreichs geschah, wird heute von einigen Historikern als "Wunder von Colombey" bezeichnet: "Der alte Franzose und der sehr alte Deutsche", wie de Gaulle sich und Adenauer in seinen Memoiren bezeichnete, verstanden sich auf Anhieb. Persönlich und politisch. Das Treffen gilt als Beginn der deutsch-französischen Freundschaft, die fünf Jahre später mit dem Élysée-Vertrag besiegelt wurde.

Dabei hatte sich de Gaulle Anfang der 1950er Jahre noch gegen einen Nato-Beitritt der Bundesrepublik ausgesprochen und eine deutsche Beteiligung an einer europäischen Wirtschaftsgemeinschaft abgelehnt. Umso überraschender war es, dass er den Kanzler in sein privates Landhaus einlud - eine Ehre, die keinem anderen Staatsmann jemals zuteil wurde. Zwei Tage verbrachte Adenauer bei de Gaulle. Seine Bedenken waren danach zerstreut: Der Kanzler war auf das "angenehmste überrascht". Dass de Gaulles Frau Adenauer angeblich nur das "Alltagsmenü" und den "üblichen Bordeaux" servieren ließ, störte die Atmosphäre offensichtlich nicht.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2021 Deutscher Bundestag