Inhalt

uMWELT
joh
Mit Risiken und Nebenwirkungen

Wie die Ergasförderung durch Fracking funktioniert und welche Gefahren drohen

Erdgas ist wichtig für die Energieversorgung in Deutschland.
20,5 Prozent beträgt sein Anteil am Primärenergieverbrauch. Doch die Abhängigkeit von Importen ist hoch: 90 Prozent des deutschen Erdgases kamen 2014 aus dem Ausland, mehr als ein Drittel aus Russland.

Auf der Suche nach Alternativen geraten die in deutschem Schiefergestein vermuteten Erdgas-Vorkommen immer stärker in den Blick und damit auch die umstrittene Fördermethode "Hydraulisches Fracking". Bis zu fünf Kilometer tief wird dabei in den Untergrund gebohrt und ein Gemisch aus zirka 94,5 Prozent Wasser, fünf Prozent Quarzsand und 0,5 Prozent chemischen Zusätzen unter hohem Druck in die Gesteinsschicht gepresst. Es entstehen künstliche Risse, durch die Gas ausströmen kann (siehe Grafik).

Bei der konventionellen Erdgasförderung, wie sie hierzulande schon seit langem praktiziert wird, ist der Einsatz von Fracking im Grunde nicht notwendig. Denn das hierbei gewonnene "Tight Gas" sammelt sich wie eine Blase unter einer undurchlässigen Sandsteinschicht. Es kann dem Bohrloch leicht zuströmen und mit geringem Aufwand aufgefangen werden. Dennoch kam Fracking bei dieser Fördermethode seit 1961 schon 300 Mal in Deutschland zum Einsatz, vor allem in Niedersachsen, wo ein großer Teil der Gasvorräte lagert. So sollen auch die allerletzten Gasreste aus dem Gestein gewonnen werden.

Das so genannte unkonventionelle Erdgas kann ohne Fracking grundsätzlich nicht gefördert werden, denn es ist in hartem Schiefergestein gebunden, das erst aufgebrochen werden muss. Weil dieses "Schiefergas" meist oberhalb von 3.000 Metern und damit in größerer Nähe zum Grundwasser lagert als konventionelles Erdgas, gilt das Fracken hier als besonders heikel; es wird deshalb in Deutschland bisher nicht praktiziert. Fracking steht aber insgesamt in der Kritik. Während die Energiekonzerne beteuern, die Technik sei sicher und nicht wassergefährdend, warnen die Gegner vor Risiken wie Erdbeben und einer Verunreinigung des Grundwassers durch Chemikalien.

Beim Fracking werden pro Bohrung zwischen 10.000 und 20.000 Kubikmeter Wasser benötigt. Doch die größten Sorgen bereitet Umweltschützern das Tiefenwasser ("Lagerstättenwasser"), das in großen Mengen mit dem Gas aus der Tiefe strömt. Es ist angereichert mit Salz und giftigen Substanzen aus dem Untergrund, wie Quecksilber und krebserregendem Benzol. Bislang wird es per Lkw oder Pipeline zu leer gepumpten Erdgasfeldern transportiert und einfach mitsamt den Giften wieder in die Erde gepresst.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag