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Ortstermin: Am Spreeufer im parlamentsviertel
Sören Christian Reimer
Multimediale Parlamentsgeschichte

Es gibt viele Wege, sich mit der Geschichte des deutschen Parlamentarismus auseinanderzusetzen. Da wären zum einen Bücher. Ganze Regalmeter lang lassen sich Bände über jedweden Aspekt der Historie legislativer Entwicklung entdecken und studieren - vom Fachbuch bis hin zum einstiegsfreundlichen Übersichtswerk.

Es gibt zum andern auch Museen und Ausstellungen. Der Deutsche Bundestag etwa unterhält im Deutschen Dom am Gendarmenmarkt in Berlin eine mehrgeschossige Ausstellung. Unter dem Titel "Wege-Irrwege-Umwege" lässt sich dort teils multimedial Parlamentsgeschichte erleben.

Bücher wälzen und Ausstellungen besuchen gehören aber nicht unbedingt zu den Aktivitäten, die an warmen Sommerabenden auf der Beliebtheitsskala ganz oben stehen. Das sieht bei Freiluftkinos schon ganz anders aus. Die sprießen in der ganzen Hauptstadt in den warmen Monaten wie Pilze aus dem Boden. Ein Freiluftkino der ganz besonderen Art gibt es im Berliner Parlamentsviertel. Jedes Jahr im Sommer wird hier die Multimedia-Präsentation "Dem Deutschen Volke" gezeigt - nach Einbruch der Dunkelheit, zweimal hintereinander. Mit zahlreichen O-Tönen und Originalaufnahmen wird im visuell imposanten, 30-minütigen Schnelldurchlauf die Geschichte des deutschen Parlamentarismus erzählt. Diese Erzählung setzt mit den zaghaften Anfängen des Reichstags im Kaiserreich und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges an. Die erste Demokratie der Weimarer Republik scheitert dann kläglich und ebnet den Weg für Hitler und die Nationalsozialisten; es folgen die zwölf dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte. Der Fokus liegt auf der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und stellt die Entwicklungen in Ost- und Westdeutschland dar. Während in der Bonner Republik die Demokratie nun Fuß fassen kann, werden in der DDR freiheitliche Bestrebungen blutig unterdrückt.

Die Zuschauer, die in der Regel auf den Treppen am Spreeufer nördlich des Friedrich-Ebert-Platzes sitzen, erleben dabei eine aufwändige Inszenierung. Nicht auf eine, sondern gleich auf fünf Flächen mit einer Größe zwischen 21 und 300 Quadratmetern wird der Film projiziert. Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, wo sonst große Anhörungen stattfinden und in dem unter anderem die Bibliothek untergebracht ist, verwandelt sich in eine Kinoleinwand. Musik und Sound beschallen gefühlt die halbe politische Mitte Berlins.

Das kommt gut an. "Das ist eine eindrucksvolle Inszenierung", findet etwa Doro Jess. Die Studentin aus Jena kennt Berlin durch zahlreiche Besuche gut, aber die Multimedia-Show hat sie erst vor kurzem entdeckt. Ihr gefalle, dass die Historie trotz aller Kürze kompakt und ohne viel Pathos erzählt werde. Auch der Blick auf die DDR sei interessant gewesen. "Ein Besuch lohnt sich", bilanziert Jess.Sören Christian Reimer

Zu sehen ist die Großbild-Projektion noch bis zum 3. Oktober. Aktuell starten die Vorführungen um 21.15 Uhr. Weitere Informationen sind auf der Webseite des Deutschen Bundestages unter www.bundestag.de/grossbildprojektion zu finden. Auf der Webseite finden sich zudem Informationen zur Dauerausstellung "Wege-Irrwege-Umwege" im Deutschen Dom. Sie ist dienstags bis sonntags von 10 bis 19 Uhr kostenlos besuchbar.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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