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Ortstermin IPS-Programm für arabische Staaten
Götz Hausding
»Wir sind in Tunesien auf dem richtigen Weg«

Wer sich als deutscher Unternehmer in Tunesien engagieren will, kommt an Malek Abidi nicht vorbei. Die 32-Jährige arbeitet in Tunis als Office-Managerin bei der Deutsch-Tunesischen Industrie- und Handelskammer (AHK-Tunesien). "Wir stellen für Industrie und Wirtschaft eine Brücke zwischen Deutschland und Tunesien dar", sagt Malek Abidi. In diesem September musste die AHK-Tunesien aber ohne ihre sehr gut Deutsch sprechende Mitarbeiterin auskommen. In dieser Zeit nahm die studierte Handelswissenschaftlerin am Sonderprogramm des Internationalen Parlamentsstipendiums (IPS) für arabische Staaten teil. "Ich bin stolz, hier im Deutschen Bundestag gewesen zu sein", sagt sie.

In Berlin ging es ihr darum, zu schauen, wie das parlamentarische System in Deutschland funktioniert. "Vieles, was ich hier erfahren habe, kann man in den Medien so nicht finden", sagt sie. Was aber die Abläufe im Parlament angeht, zieht die Tunesierin ein interessantes Fazit: Das meiste, was im Bundestag zu den parlamentarischen Gepflogenheiten gehört, kennt sie auch aus der Heimat. "Es war so, wie ich es aus dem tunesischen Parlament kenne. Es wird gestritten, aber es kommt auch zu Kompromissen im Interesse der Bevölkerung." Das gleiche gelte für Pressekonferenzen. "Auch bei uns darf alles gefragt werden und die Regierungsvertreter müssen mit Ausführlichkeit und Transparenz antworten. Ich bin stolz darauf, dass wir schon so weit sind", sagt Malek Abidi und fühlt sich in ihrer Einschätzung bestätigt: "Wir sind in Tunesien auf dem richtigen Weg hin zur Demokratie."

Eine neue Verfassung, "die vereint, was vielen nicht vereinbar schien", freie Parlaments- und Präsidentschaftswahlen, die Gleichstellung von Mann und Frau - Tunesien habe seit 2011 viel erreicht, auch wenn noch viel zu tun bleibe, findet sie. Und weiß: "Man braucht einen langen Atem auf dem Weg zur Demokratie."

Die Terroranschläge dieses Jahres lassen die junge Tunesierin nicht zweifeln. Der Kampf gegen den Terrorismus habe derzeit oberste Priorität. Man müsse aber damit rechnen, dass es noch zu weiteren Anschlägen kommen könnte. "Dennoch: Es gibt keinen Grund zur Panik! Wir sind auf dem richtigen Weg, auch wenn darauf noch einige Steine liegen", bleibt sie zuversichtlich.

Dass der tunesische Präsident Beji Caid Essebsi unlängst um internationalen Unterstützung beim Kampf gegen den Terror geworben und davor gewarnt hat, dass die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) Tunesien attackieren wolle, hält sie gleichwohl für richtig. "Wir brauchen internationale Unterstützung, insbesondere von Deutschland." Und so freut sich die Tunesierin, dass Bundespräsident Joachim Gauck ihr Land als ersten nordafrikanischen Staat besucht und aufmunternde Worte gefunden hat. "Der Bundespräsident hat bestätigt, dass Tunesien gigantische Schritte zur Demokratie gemacht hat und zweifellos zu einem Vorbild für die freiheitsliebenden Menschen der ganzen Region geworden ist", sagt Malek Abidi. Dies mache deutlich: "Deutschland hat den Willen, Tunesien zu unterstützen."Götz Hausding

Aus Politik und Zeitgeschichte

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