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Religion
Johanna Metz
Sorge um Glaubensfreiheit

Den Schutz der Religions- und Glaubensfreiheit in Deutschland und der Welt sehen Experten als eine der wichtigsten Herausforderungen der Gegenwart an. Das wurde in einer öffentlichen Anhörung des Menschenrechtsausschusses in der vergangenen Woche deutlich. Andreas Jacobs von der Middle East Faculty am Nato Defense College in Rom berichtete dort, dass gerade im Nahen Osten der Einsatz für Menschenrechte und Religionsfreiheit immer schwieriger werde. Umso wichtiger sei die Sicherung von Religionsfreiheit in Deutschland und Europa. "Nur wenn Muslime hierzulande die praktische Erfahrung machen, dass Religionsfreiheit auch für sie gilt und dass die freie Entfaltung muslimischen Lebens möglich ist, kann sie glaubhaft gegenüber muslimischen Ländern eingefordert werden", urteilte Jacobs.

Christine Schirrmacher vom Institut für Orient- und Asienwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn sieht angesichts der starken Zuwanderungsbewegungen nach Europa und der Zunahme islamistischer und salafistischer Kräfte die große Herausforderung für Deutschland darin, die Freiheit und das friedliche Miteinander der Religionen und Weltanschauungen zu sichern. Ausdrücklich wandte sie sich gegen Forderungen, die Religion in den privaten Raum zurückzudrängen. "Echte Religionsfreiheit kann nicht Verbannung ins Private bedeuten", warnte sie.

In den Augen der Journalistin Khola Maryam Hübsch bedrohen Forderungen nach einem Burka-Verbot oder einem Kopftuch-Verbot für Lehrerinnen an Schulen die säkulare und freiheitliche Grundlage der Gesellschaft eher als sie zu verteidigen. Sie verstärkten das Ausgrenzungsgefühl vieler Muslime und bereiteten den "Nährboden für Islamismus", sagte Hübsch. Sie betonte, eine offene, freundliche Flüchtlingspolitik könne dazu beitragen, das Bild des Westens in der islamischen Welt zu verbessern und Terrorismus einzudämmen.

Kirsten Wiese von der Humanistischen Union e.V. in Berlin bekräftigte die Forderung ihres Verbandes nach einer vollständigen Trennung von Staat und Religionsgemeinschaften. Sie forderte: "Damit die Religionsfreiheit in Deutschland konsequent gewährleistet werden kann, müssen jegliche Privilegien für die christlichen Kirchen abgeschafft werden."

Professor Matthias König von der Georg-August-Universität Göttingen empfahl, zur Stärkung der Religions- und Glaubensfreiheit vor allem auf multilaterale Instrumente, wie Menschenrechtskonventionen, zu setzen. Neuere Studien zeigten, dass der völkerrechtliche Menschenrechtsschutz vor Ort langfristige Wirkungen entfalten könne.joh

Aus Politik und Zeitgeschichte

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