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Gastkommentare - Contra
Richard Herzinger, WeltN24
Fataler Irrglaube

Soll der Westen mit Assad kooperieren?

Dass der Westen mit Hilfe des Assad-Regimes die Terrormiliz IS besiegen und Syrien stabilisieren könnte, ist eine fataler Irrglaube. Er beruht auf der Fiktion, der syrische Diktator, sein Schutzherr Wladimir Putin und seine iranischen Verbündeten seien tatsächlich willens und fähig, dem dschihadistischen Horrorgebilde den Garaus zu machen. In Wahrheit haben sie den IS in Syrien nie ernsthaft bekämpft - und tun dies weiterhin nicht. Sie haben im Gegenteil am meisten von dessen kometenhaftem Aufstieg profitiert. Hätte der IS - in faktischer Allianz mit Assads Truppen - die syrischen Rebellen nicht massiv dezimiert, wäre das Baath-Regime in Damaskus längst gestürzt. Dessen massenmörderischer Feldzug gegen die eigene Bevölkerung ist die Quelle des uferlosen syrischen Gemetzels in all seinen barbarischen Formen.

Die Vorstellung, man könne Assad vorübergehend als "kleineres Übel" akzeptieren, bis der IS besiegt sei, geht daher an der Wirklichkeit vorbei. Sich Moskaus Druck zu beugen und das Assad-Regime, das dem IS an Grausamkeit kaum nachsteht, zum Alliierten zu nobilitieren, hieße nichts anderes, als dessen Wüten gegen die syrische Opposition und Zivilbevölkerung das Plazet des Westens zu geben. Statt eines Schritts in Richtung Frieden wäre dies die Weichenstellung zu noch verheerenderen Konflikten. Der Westen würde damit nicht nur eine russische Einflusszone in Syrien, sondern auch das aggressive Hegemonialstreben der Islamischen Republik Iran in der Region legitimieren. Das aber triebe dem IS nur noch mehr Sunniten in die Arme. Und der offene Krieg zwischen dem schiitischen Iran und den sunnitisch-arabischen Mächten rückte ein weiteres, großes Stück näher.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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