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Gastkommentare - Contra
Holger Ahlich, "Handelsblatt"
Lautere Gründe

Briefkastenfirmen verbieten?

D as war vorhersehbar: Angesichts derEnthüllung zu den "Panama Papers" zum massiven Einsatz von Firmen in Offshore-Zentren fordern die Vorkämpfer für Steuergerechtigkeit, solche Strukturen zu verbieten. Es gilt die Schuldvermutung: Wer so eine Briefkastenfirma besitzt, hinterzieht Steuern.

Das greift zu kurz. Sicher, gerade Vermögende aus Industriestaaten nutzen solche Strukturen sehr oft, um Geld vor dem Fiskus zu verstecken. Ein geeignetes Mittel dagegen ist aber mehr Transparenz, nicht ein Verbot.

Denn es gibt auch lautere Gründe, eine Firma in einem Offshore-Zentrum zu gründen. Vor allem für Vermögende aus Ländern mit wenig Rechtssicherheit wie in Südamerika. Entführungen sind dort ein regelrechtes Geschäft. Dass Vermögende aus diesen Ländern einen erhöhten Schutz ihrer Privatsphäre suchen, erscheint legitim.

Auch zur Regelung eines international verstreuten Erbes sind Offshore-Konstrukte beliebt. Es ist leichter, eine Firma auf den Jungfern-Inseln zu vererben, die Immobilien in mehreren Ländern besitzt, als dass sich die Erben in jedem Land mit den lokalen Vorschriften herumärgern müssen. Daher wählte etwa der Industrie-Erbe Gunter Sachs Offshore-Trusts zur Regelung seines Erbes und wurde daraufhin als potenzieller Steuerhinterzieher gebrandmarkt. Doch er hatte alles korrekt deklariert.

Wenn sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nun für einheitliche Register einsetzt, die die wahren Eigentümer solcher Strukturen auflisten, ist das der richtige Weg. Inwieweit aber die USA dabei mitmachen, bleibt abzuwarten - sind doch Delaware und Wyoming wahre Hochburgen anonymer Briefkastenfirmen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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