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EDITORIAL
Jörg Biallas
Klägliche Bilanz

Das Ziel ist ambitioniert gesteckt. Bis 2018, in nur zwei Jahren, soll für digitale Daten überall in Deutschland eine Übertragungsgeschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung stehen.

Technischen Laien hilft ein Blick auf den Status quo, um das Vorhaben richtig einzuordnen: Derzeit muss die Nation mit etwas mehr als zwölf Megabit auskommen. Die Diskrepanz ist also erheblich.

Auch im internationalen Vergleich ist die bisherige Bilanz ausgesprochen kläglich. In Ländern wie Tschechien oder den Niederlanden wird deutlich flotter gesurft, in Südkorea sogar mehr als doppelt so schnell. Fast zwei Dutzend Nationen stehen auf der Rangliste vor der Bundesrepublik (siehe auch Grafik Seite 3).

Dass es in einer der führenden Industrienationen der Welt so nicht weitergehen kann, ist keine neue Erkenntnis. Aber eine, die viele Jahre auf eine politische Reaktion warten ließ, die energisch genug gewesen wäre, flächendeckend für Abhilfe zu sorgen.

Das soll nun endlich anders werden. Vergangene Woche diskutierte der Bundestag erstmals den von der Regierung vorgelegten Entwurf des "Gesetzes zur Erleichterung des Ausbaus digitaler Hochgeschwindigkeitsnetze", kurz "DigiNetzG".

Die Idee klingt simpel: Wo immer Erdarbeiten an Versorgungssträngen anstehen, sollen Glasfaserkabel für das schnelle Internet möglichst mitverlegt werden.

Beim Autobahn- und Fernstraßenbau unter Federführung des Bundes wird das vergleichsweise leicht umzusetzen sein. Für Investitionsvorhaben von kommunalen Versorgungsbetrieben hingegen sind erhebliche Konsequenzen absehbar.

Denn betroffen sind nach dem Gesetzentwurf auch Fachbetriebe für Abwasser und Fernwärme, Elektrizität oder Gas, die Telekommunikationsanbietern Zugang zu ihren Netzen ermöglichen müssen. Logistisch und finanziell dürfte das eine nicht zu unterschätzende Aufgabe werden.

Scheitern darf das Projekt dennoch nicht. Denn die Herausforderungen, die heute absehbare technische Entwicklungen mit sich bringen, sind enorm. Intelligente, selbstfahrende Autos etwa benötigen eine Geschwindigkeit bei der Datenübertragung, die deutlich höher ist als das ohnehin schon ambitionierte Ziel für 2018.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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