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GESUNDHEIT ii
Claus Peter Kosfeld
Lücken im System

Flüchtlinge brauchen unbürokratische Hilfe

Gesundheitsexperten befürworten für Asylbewerber einen unbürokratischen und einheitlichen Zugang zu medizinischen Leistungen. In einer Anhörung des Gesundheitsausschusses vergangene Woche kritisierten Sachverständige die teilweise komplizierte und unzureichende ärztliche Versorgung der Flüchtlinge nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG). Vor allem hinsichtlich der psychologischen und psychiatrischen Betreuung traumatisierter Flüchtlinge aber auch bei Bagatellfällen forderten sie einfache und rasche Hilfen für die Betroffenen.

Thema der Anhörung waren Anträge der Fraktionen Die Linke (18/7413) und Bündnis 90/Die Grünen (18/6067) mit dem Ziel, die Flüchtlinge ohne 15 Monate Wartezeit in die Regelversorgung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu übernehmen und ihnen die Gesundheitskarte auszuhändigen, damit sie unkompliziert zum Arzt gehen können. Die Bundesärztekammer (BÄK) befürwortete dies und forderte zudem eine Aufstockung des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD). Der GKV-Spitzenverband erklärte, angesichts der föderalen Struktur bestehe kein einheitlicher Zugang zu Gesundheitsleistungen für Asylbewerber in den ersten 15 Monaten. Die Flüchtlinge hätten jedoch Anspruch auf eine ,,einheitliche und angemessene medizinische Versorgung". Nach Auffassung der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) erhalten nur wenige der psychisch belasteten oder kranken Flüchtlinge eine angemessene Versorgung. Sie dürften aber nicht wie Patienten zweiter Klasse behandelt werden. Helmut Middeke von der ,,Flüchtlingsambulanz" des Klinikums Lippe sagte, da es oft keine zentrale medizinische Anlaufstelle für Flüchtlinge gebe, würden die Notaufnahmen der Kliniken mit Bagatellfällen blockiert.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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