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Aufgekehrt
Claus Peter Kosfeld
Der Rollentausch

Die Gina-Lisa spaziert jetzt ins Dschungelcamp. Da atmen wir auf, denn damit ist die junge Frau ja wieder eine ganze Weile versorgt, und so anständig. Das Dschungelcamp ist ja quasi sozialdemokratisch: Leute, die da mitmachen, sind bodenständig, können was ab, wie man so sagt und sind sich für nix zu schade. Außerdem müssen die nicht so tun, als wären sie irgendwas mit Akademiker.

Und doch ist es schade, dass diese Kämpferin für Frauenrechte nur in den Urwald strebt, denn, ganz ehrlich, der Bundestag wäre als Reality-Show auch eine sehr schöne Abwechslung für eine solche Frau mit politischem Instinkt, direkter Sprache und vor allem: nichts zu verlieren - Abitur, Examen, Doktortitel, Latinum, sowas.

Der Bundestag ist natürlich nicht ganz so bunt und fröhlich wie der Dschungel, aber doch so ähnlich. Da laufen ja die ganz großen Tiere herum, die sich bisweilen wild aufführen und vermeintlich subalternen Artgenossen zeigen, wer Rudelführer ist. Im Plenarsaal hängen keine Lianen, dafür hängen einigen Zuhörern manchmal die mühsam abgelesenen Reden meterlang zum Hals heraus. Und mancher so genervte Abgeordnete würde dann wohl auch gerne rufen: "Ich bin ein Star, holt mich hier raus."

Und die Überraschungen: Plötzlich stellt sich heraus, dass zahlreiche Abgeordnete früher nur nebenbei studiert, aber kein Examen gemacht haben. Die Sache mit dem sorgsam frisierten Lebenslauf ist blöd, dabei sind die Volksvertreter sonst bestimmt redlich und gewissenhaft. Also was tun? Wie wäre es mit Urwald-Camp? Dort wären sie rhetorisch garantiert weit vorne, die Diät wäre Bio und am Ende kämen sie als Dschungelkönige der Herzen zurück.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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