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EUROPA
Johanna Metz
Köhler fordert andere Afrika-Politik

Der afrikanische Kontinent hat nach Ansicht des früheren Bundespräsidenten Horst Köhler alle Chancen, zu einem neuen globalen Wachstumspol zu werden. Voraussetzung dafür seien jedoch neue Antworten von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, betonte der CDU-Politiker vergangenen Mittwoch im Europaausschuss. Unter anderem müsse sich die Europäische Union stärker für Frieden und Sicherheit in Afrika engagieren und ihre Wirtschaftsbeziehungen mit dem Kontinent überarbeiten. Ziel müsse es sein, Wachstum und Beschäftigung zu fördern und Perspektiven für die Jugend zu schaffen.

Konkret schlug Köhler vor, den Privatsektor stärker in die Entwicklungszusammenarbeit einzubeziehen und den Dialog zwischen europäischen und afrikanischen Unternehmern zu fördern. Auch sollte der deutsche und europäische Bankensektor die afrikanischen Staaten beim Aufbau lokaler Finanzstrukturen unterstützen, damit sich die Investitionsbedingungen verbessern könnten.

Kritik übte er an den Wirtschaftspartnerschaftsabkommen der EU mit Afrika (EPA). Auf afrikanischer Seite sei durch die Verhandlungsführung der Europäer der Eindruck entstanden, diese handelten vor allem aus kurzfristigem Eigeninteresse. Um die zunehmende Migration aus Afrika nach Europa einzudämmen, nannte es Köhler essentiell, bessere Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen. Er verwies darauf, dass bereits heute die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung 18 Jahre alt oder noch jünger sei und sich die Bevölkerung bis 2050 verdoppeln werde.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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