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Aufgekehrt
Alexander Weinlein
Von Menschen und Mäusen

Liebe Leserinnen und Leser, in früheren Zeiten galt die allgemeine Auffassung, dass sich unter "den Bürgern" dieses Landes selbstredend auch Frauen befinden. Doch das allgegenwärtige Gender-Mainstreaming belehrte uns eines besseren und seitdem bevölkern Bürgerinnen und Politikerinnen, Soldatinnen und Sozialarbeiterinnen, Schülerinnen und Lehrerinnen auch unsere Zeitung. Gleiches gilt für die Flut von Anträgen, Kleinen Anfragen, Gesetzentwürfen und Unterrichtungen, mit denen sich Parlamentarier und Parlamentarierinnen täglich konfrontiert sehen. Es ließe sich eine Menge Papier und Druckerschwärze sparen, wenn die deutsche Sprache nicht so sexistisch veranlagt wäre.

Eine der letzten Bastionen des Sprachchauvinismus wollte jetzt die Linksfraktion im Flensburger Stadtrat schleifen. So sollte im städtischen Sprachgebrauch nicht länger nur von Computern, Bleistiftanspitzern und Kopierern die Rede sein, sondern auch von deren weiblichen Pendants. Bleistiftanspitzerin? Es lebe die Gleichstellung! Doch dann zog die Fraktion ihren Antrag wieder zurück. Er sei lediglich die ironische Replik auf einen Antrag der WiF-Fraktion (Wir in Flensburg), die den Begriff "Ratsfrau" durch "Ratsdame" ersetzen wollte. Die beiden Anträge der Fraktionen wurden also durch die Reißwölfin gejagt oder in der Papierkörbin entsorgt.

Am Ende der Geschichte bleibt die Erkenntnis, dass Sprache nicht jeden Sexismus beseitigen kann. Schon deshalb, weil der Linken-Antrag keine männliche Form für Computer-Mäuse vorsah. Mäuse sind anscheinend immer weiblich, mal klein oder groß - und in jedem Fall süß. Aber das ist eine andere Geschich-te.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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