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Gastkommentare - Contra
Hartmut Wewetzer, "Der Tagesspiegel", Berlin
Das Bio-Dogma

Brauchen wir mehr Bio-Landbau?

Nachhaltig, bekömmlich, moralisch überlegen, gut für Mensch und Natur: Der Bio-Landbau hat ein Super-Image. Weniger Chemie und Energieverbrauch, mehr Artenvielfalt. Wieso also nicht den Öko-Anbau fördern zu Lasten konventioneller Agrarindustrie?

Nun, die Wahrheit ist wie so oft nicht schwarz-weiß, sondern grau. Nehmen wir die Annahme, Bio-Lebensmittel seien gesünder (der Hauptgrund für den Verzehr). Dafür gibt es keine handfesten Belege. Im Gegenteil. Der EHEC-Ausbruch 2011 mit 53 Toten geht vermutlich auf Bio-Bockshornkleesamen aus Ägypten zurück. Bio, aber tödlich.

Auch die Ökobilanz verschlechtert sich, wenn man den wegen der geringeren Erträge größeren Flächenbedarf einbezieht. Hauptgrund für den Verlust an Lebensraum für Tier und Pflanze und für den Klimawandel ist die Umwandlung von ungenutztem Land in Agrarflächen, hat die Ökologin Verena Seufert von der Universität von British Columbia festgestellt. Und Land braucht der Bio-Anbau eben reichlich. Ganz abgesehen davon, dass die Biobauern ebenfalls Pestizide ausbringen, wenn auch keine aus der Chemiefabrik. Gifte sind es trotzdem.

Die Landwirtschaft muss uns ernähren, und sie sollte der Natur möglichst wenig schaden. Der Öko-Anbau ist da nur begrenzt nützlich, weil er dogmatisch ist. Unabhängige Wissenschaftler wie Seufert betonen, dass die Trennung in "bio" und "konventionell" nicht weiterführt. Für die Zukunft benötigen wir das Beste aus beiden Welten.

Die propagierte Agrarwende brächte geringere Erträge, kaum ökologische Vorteile und dem Verbraucher höhere Kosten. Gesamtnutzen fraglich. Die Politik folgt ideologischen, nicht rationalen Vorgaben. Hat da jemand Energiewende gesagt?

Aus Politik und Zeitgeschichte

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