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LANDFRAUENVERBAND
Götz Hausding
Nicht nur für Bäuerinnen

Interessensvertretung für 500.000 Frauen aus dem ländlichen Raum

Im nächsten Jahr wird gefeiert. Der Deutsche Landfrauenverband (DLV) kann 2018 auf sein 70-jähriges Bestehen zurückblicken. In bundesweit 22 Landesverbänden, rund 430 Kreis- und mehr als 12.000 Ortsvereinen sind derzeit rund 500.000 Frauen aus dem ländlichen Raum organisiert. "Bei uns sind alle möglichen Berufs- und Altersgruppen vertreten", sagt Daniela Ruhe, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Landfrauenverbandes. Hausfrauen, Krankenschwestern, Rentnerinnen aber auch Anwältinnen und natürlich Bäuerinnen gehören zu den Mitgliedern. Wie hoch der Anteil der in der Landwirtschaft tätigen Frauen genau ist, vermag Ruhe nicht zu sagen. Dies sei von Landesverband zu Landesverband unterschiedlich. "Grob geschätzt liegt der Anteil bundesweit zwischen 20 und 30 Prozent", sagt sie.

Den Landfrauen gehe es um das Miteinander, um die Interessenvertretung. "Es geht um den Austausch mit anderen Frauen auf dem Land, aber auch um die Teilhabemöglichkeiten, Bildungsangebote und Netzwerke, die über den Verband angeboten werden", sagt Ruhe. Schaut man auf die Themen, mit denen sich der Verband beschäftigt, so lassen diese sich mit den Schlagworten "Erhalt und Ausbau der Infrastruktur im ländlichen Raum" zusammenfassen. Dazu gehören Mobilitätsfragen, die Breitbandversorgung, der Ärztemangel, Kinderbetreuungsmöglichkeiten und die schulische Versorgung auf dem Land. Nicht zu vergessen die frauenpolitischen Themen wie etwa die Entgeltlücke, die laut der DLV-Hauptgeschäftsführerin "im ländlichen Raum noch ausgeprägter ist".

Bündnisse Um mit ihren Forderungen auch auf die bundespolitische Ebene durchzudringen, braucht es einen langen Atem, weiß Ruhe. "Wir müssen hartnäckig bleiben und Bündnisse schmieden - wie etwa seit 2011 im Rahmen der ,Berliner Erklärung 2017' mit mehreren Frauenverbänden, als es um das Thema Frauenquote ging." Zudem pflege der Verband Kontakte "zu allen Parteien und in alle relevanten Ministerien".

Dass es den Landfrauenverband braucht, ist für Daniela Ruhe völlig klar. "Es tut Frauen im ländlichen Raum gut, einen eigenen Verband zu haben und er ist auch notwendig." Außerdem sind da noch die verschiedenen Blickwinkel. Frauen würden auf viele Sachen anders als Männer schauen. So würde beispielsweise die Entscheidung, den Schulbus in der Kommune abzuschaffen, oft von Männern gefällt, weil sie mehrheitlich in den zuständigen Gremien sitzen. "Die Auswirkungen auf das praktische Leben spüren aber vor allem Frauen, weil sie zumeist die Kinder in die Schule bringen." Womit noch ein weiteres Problem genannt ist: Im ländlichen Raum sind Frauen in Entscheidungsgremien noch geringer vertreten als ohnehin. "Je ländlicher eine Kommune ist, umso seltener hat sie eine Bürgermeisterin", sagt die DLV-Vertreterin.

Die Frage: Ökolandbau oder konventionelle Landwirtschaft stellt sich für den Landfrauenverband nach Aussage Ruhes nicht. "Das spielt keine Rolle. Wir haben Landwirtinnen aus beiden Bereichen im Verband." Gelebtes Miteinander also.

Mit Spannung blickt natürlich auch der Landfrauenverband auf die derzeitigen Bemühungen um eine Regierungsbildung. "Wir hoffen, dass es auch künftig ein eigenständiges Landwirtschaftsministerium mit einem starken Ressort ,Ländlicher Raum' geben wird", sagt Ruhe und gibt sich optimistisch, da sowohl Union als auch FDP und Grüne dies zugesagt hätten. Ein wenig anders sieht das bei der Frauenpolitik aus. Nach den Erfolgen von Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) gebe es die Befürchtung, dass es "eher ein Zurück als ein Vorwärts" geben könnte. "Da schauen wir - wie alle Verbände der Berliner Erklärung - schon ein bisschen mit Sorge hin", sagt Ruhe.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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