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Aufgekehrt
Alexander Heinrich
Beim Döner geht es um die Wurst

Alarmierende Kunde aus dem Europäischen Parlament: Der Umweltausschuss erwägt, dem Döner die Lizenz zu entziehen. Für Nachtschwärmer, Straßenesser und mit dem Besteck Ungeübte ist das keine gute Nachricht, für den Wirtschaftsstandort Berlin wäre es eine ausgemachte Katastrophe. Der Grund, warum der uns Berlinern ans Herz gewachsenen Volksspeise der Garaus droht, heißt Phosphat. Es wird herzhaft-knackigen Fleischerzeugnissen beigemengt, die auch ohne Kern und Knochen bestehen müssen: Döner eben, wie auch deutsche Brat- und Brühwürstchen aller Art. Phosphat ist das, was die Wurst im Innersten zusammenhält. Wie man die Sache auch dreht und wendet: Ohne Phosphat würde der Dönerklops in sich zusammenfallen, außen hart und saftig brutzelnd zwar, dass einem das Wasser im Munde zusammenfließen mag, doch innen roh und ungenießbar weich. Will Brüssel uns das in einem Akt lukullischer Engherzigkeit zumuten? Ein bald zweihundertjähriges Symbol deutsch-türkischer Beziehungen stünde auf dem Spiel. "Unser Mittagsmahl nahmen wir ganz türkisch beim Kiebabtschi ein", schrieb Helmuth von Moltke in sein Tagebuch, als er 1836 als Militärberater im Osmanischen Reich weilte. Dann wurde dem preußischen Offizier auf einer hölzernen Scheibe der "Kiebab" gereicht - kleine Stückchen Hammelfleisch, am Spieß gebraten und in Brotteig eingewickelt. Das Urteil des späteren Generalfeldmarschalls: "Ein sehr gutes, schmackhaftes Gericht."

Auch wir wollen es uns nochmal munden lassen und sagen mampfend, zwiebelstreuend dann: Adieu Döner! Güle güle! Wir wern dir nie vajessen! Was uns bleibt ist ein Hauch von deinem Duft und erhöhte Blutfettwerte.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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