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Aufgekehrt
Alexander Weinlein
Stell Dir vor, es ist Krieg...

Fährt nicht, fliegt nicht, schwimmt nicht. Auf diesen Dreiklang ließe sich die aktuelle Lage bei der Bundeswehr zuspitzen. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht die mangelnde Einsatzbereitschaft von Panzern, Flugzeugen, Hubschraubern, Schiffen und U-Booten der deutschen Streitkräfte beklagt wird. In gewisser Weise fühlt man sich an den bekannten Slogan der Friedensbewegung erinnert: "Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin." Das Zitat stammt übrigens nicht von Bertold Brecht, wie immer wieder kolportiert wird, sondern von einem Amerikaner. Es handelt sich um eine freie Übersetzung einer Zeile aus einem Gedicht von Carl Sandburg: "Sometime they'll give a war and nobody will come."

Und so wenig wie die Deutschen das vermeintliche Brecht-Zitat für sich beanspruchen können, so wenig haben sie ein Copyright auf nicht einsatzfähige Waffensysteme. Dem Dreiklang "fährt nicht, fliegt nicht, schwimmt nicht" haben die USA jetzt eine grundlegend pazifistische Komponente hinzugefügt: "Schießt nicht." In diesen Tagen lief im Bundesstaat Maine die "USS Michael Monssor" vom Stapel. Doch der Zerstörer der neuen "Zumwalt"-Klasse hat ein Manko. Da sich das geplante Waffensystem als zu teuer erwies - ein einzelner Schuss hätte rund 800.000 US-Dollar gekostet - bleibt das Kriegsschiff vorerst unbewaffnet. Irgendwie macht das aber auch nichts, denn bei den "Zumwalt"-Zerstörern handelt es sich um Tarnkappen-Schiffe. Vereinfacht ausgedrückt: Man sieht sie nicht.

Ist das nicht der Traum jedes Pazifisten? Ein Kriegsschiff, das nicht schießt und eigentlich auch gar nicht da ist. Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner schießt. Sieht man leider nicht.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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