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FAMILIE
Alexander Weinlein
Mehr Hilfe für Kinderlose

Der Staat oder die Krankenkassen sollen einen höheren Anteil der Kosten für eine künstliche Befruchtung übernehmen. Dies war das mehrheitliche Votum der Sachverständigen in einer öffentlichen Anhörung des Familienausschusses über den FDP-Antrag zur Reform der Richtlinie des Bundesfamilienministeriums zur assistierten Reproduktion (19/585).

Mehrheitlich lehnten die Experten die Regelung, nach der der Bund 25 Prozent der Kosten für drei Versuche einer künstlichen Befruchtung bei kinderlosen Paaren übernimmt, wenn das Bundesland sich in gleicher Höhe an den Kosten beteiligt, als ungerecht ab. Die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung dürfe auch nicht vom Einkommen abhängen. Auch die geltenden Altersgrenzen für eine Kostenübernahme wurden mehrheitlich in Frage gestellt. Es gebe keinen medizinischen Grund, eine künstliche Befruchtung erst ab 25 Jahren durchzuführen. Auch Frauen über 40 Jahren könnten Kinder bekommen. Dies müsse individuell durch einen Arzt beurteilt werden, sagte der Düsseldorfer Reproduktionsmediziner Jan-Steffen Krüssel.

Überwiegend kritisch bewerteten die Experten hingegen die Frage, ob auch Alleinstehende in den Genuss einer Kostenübernahme kommen sollten. Angesichts der Tatsache, dass 2,34 Millionen Kinder bei Alleinerziehenden lebten, sei es fraglich, ob man eine solche Situation auch noch planvoll mit staatlicher Hilfe herbeiführen sollte, befand der Mannheimer Medizinethiker Axel W. Bauer.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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