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Gastkommentare - Contra
Ursula Weidenfeld, freie Journalistin
Die Lösung ist lokal

Mehr nationale Bildungsstandards?

z wei Maßnahmen sollen die Schulen besser machen: nationale Bildungsstandards und Geld von der Bundesregierung. Leider kann das nicht funktionieren. Der Plan ist Ergebnis eines Bildungsselbstgesprächs in Berlin, wonach nur die Verantwortung geteilt werden muss, damit alles besser wird.

Bildungsstandards? Die gibt es längst. Vergleichstests wie Pisa sind im Grunde nichts anderes. Auch die Länder haben bundesweite Standards eingeführt, die die Kompetenzen beschreiben, die Schüler für einen bestimmten Schulabschluss haben müssen. Das Problem: Standards allein bringen gar nichts. Man muss sie auch kontrollieren und einfordern. Dafür braucht man den Bund nicht. Man braucht nur etwas mehr Energie.

Mehr Kompetenz für den Bund? Schon jetzt haben Bürger in den Flächenländern das Gefühl, "Berlin" verstehe nichts von ihren Problemen. Warum soll ausgerechnet in der Bildungspolitik die Weisheit von Bundespolitikern helfen, wo die eingeübte Bundeskompetenz in der Innen- oder der Verkehrspolitik in den Augen der Bürger nicht viel bringt? Zur Erinnerung: In den 1970er Jahren hatte der Bund schon einmal ein starkes Mitspracherecht in der Bildungspolitik. Das Experiment wurde wegen Erfolglosigkeit beendet.

Bessere Bildung ist nicht einmal zuerst eine Geldfrage. Bessere Schulen gibt es, wenn es bessere Direktoren und bessere Lehrer gibt. Die wird es geben, wenn sie mehr Handlungsspielraum erhalten, und wenn der Lehrerberuf wieder vor allem von denen erlernt wird, die sich für den Bildungsauftrag, die Kinder und Jugendlichen, begeistern.

Die Lösung liegt im Lokalen, nicht auf der Bundesebene. Teach First. Reformiere später.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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