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Gastkommentare - Pro
Roland Preuß, "Süddeutsche Zeitung"
Zu wenig gemeinsam

Mehr nationale Bildungsstandards?

E ltern, deren Kinder ein paar Mal die Schule gewechselt haben oder gar das Bundesland, kennen das. Es gibt nicht nur große Unterschiede zwischen den Lehrkräften, sondern auch zwischen Schulen und ihren Anforderungen. Das ist nicht nur ein Problem umziehender Eltern, es ist auch ein politisches Problem. Nicht zufällig wünscht sich eine Mehrheit in Umfragen mehr gemeinsame Maßstäbe. Dies ist auch eine Frage der Gerechtigkeit. Und da helfen mehr nationale Bildungsstandards.

Wohlgemerkt: Es geht nicht darum, den Lehrstoff für sämtliche Bundesländer bis ins Details vorzuschreiben. Jedes Bundesland muss seinen Spielraum behalten und seinen regionalen Lernstoff vermitteln können. Doch feststellen muss man doch auch: Die Schulen leiden nicht an zu viel Gemeinsamkeit in Deutschland, sondern an zu wenig. Besonders anschaulich wird das beim Abitur: Je nach Bundesland variieren die Anforderungen, aber auch die Benotung erschreckend stark. Für die gleiche Leistung kassiert man im einen Bundesland ein "befriedigend", während es woanders schon als Höchstleistung angesehen wird. Mit all den Folgen für das Ringen um einen begehrten Studienplatz oder Bewerbungen für eine Stelle. Das ist offensichtlich ungerecht. Auch ein gemeinsamer Pool an Abituraufgaben hat dieses Problem noch nicht gelöst.

Nationale Bildungsstandards und die zugehörigen Tests können aber auch dazu beitragen, Mängel aufzudecken, etwa in sozialen Problembezirken. Wenn Schüler nicht einmal das Mindestmaß von nationalen Bildungsstandards erfüllen, dann kann sich das in solchen Tests zeigen - und die Politik alarmieren. Nur wer weiß, wo die Bildungsverlierer sind, kann ihnen auch helfen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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