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Johanna Metz
»Wir brauchen mehr Mut«

Koalition will noch engere Kooperation bei Bildung

1998 legten die Europäer den Grundstein für eine europaweite Studienreform, den "Bologna-Prozess". Die Studiengänge sollten harmonisiert, die Studenten mobiler werden. Kernelemente waren die Einführung einheitlicher Studienabschlüsse und das Austauschprogramm Erasmus.

20 Jahre später ist die Bilanz durchwachsen - auch im Bundestag. Der beriet am vergangenen Donnerstag nicht nur den im März von der Bundesregierung vorgelegten Bericht zur Umsetzung des Bologna-Prozesses 2015 bis 2018 (19/1445), sondern auch einen Antrag (19/4846) von Union und SPD, in dem die Abgeordneten eine weitere Stärkung der EU-Bildungspolitik fordern. Unter anderem unterstützen sie den Vorschlag von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron, bis 2024 20 europäische Hochschulen zu gründen.

Kathrin Staffler (CSU) betonte, es brauche mehr Mut zur Zusammenarbeit im Bildungsbereich. Es gelte, die Mobilität weiter zu erhöhen, die Bildungseinrichtungen stärker zu vernetzen und die Chancen der Digitalisierung besser zu nutzen.

Wiebke Esdar (SPD) hob eine weitere Forderung des Antrags hervor, wonach die Mittel für das Nachfolgeprogramm von Erasmus+, mit dem die EU den Studierendenaustausch finanziell unterstützt und fördert, verdoppelt werden sollten. Für die FDP warnte Jens Brandenburg mit Blick auf den Brexit vor einem Ende der Hochschulkooperation mit Großbritannien. Für die deutschen Erasmus-Studierenden bleibe Großbritannien das drittwichtigste Gastgeberland, bemerkte er.

Kai Gehring (Grüne) lenkte den Blick auf bedrohte Wissenschaftler und Studierende im Ausland, etwa in der Türkei - ein Thema, das auch die Bundesregierung in ihrem Bericht beschäftigt. Gehring forderte, "Hochschulen müssen in ganz Europa Orte der Aufklärung bleiben".

Klare Kritik am Bologna-Prozess kam von AfD und Linken. Nicole Gohlke (Linke) urteilte, das zweistufige Studium habe sich nicht bewährt, die Mobilität der Studierenden bleibe hinter den Erwartungen zurück. Marc Jongen (AfD) warf den Verfechtern vor, die "gewachsenen europäischen Bildungstraditionen plattzumachen und ein bürokratisches, verschultes Einheitssystem einzuführen".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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