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KULTUR
Katharina Dockhorn
Einstieg in die Jahrhundertaufgabe

Einigung über Finanzierung der Digitalisierung des deutschen Filmerbes

Die Hartnäckigkeit von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und ihres Vorgängers Bernd Neumann (CDU) hat sich ausgezahlt. Die Beauftragte für Kultur und Medien (BKM) einigte sich in der vergangenen Woche nach jahrelangem Ringen mit den Ministerpräsidenten der Länder und der Filmwirtschaft auf ein Bündnis zur Digitalisierung des deutschen Filmerbes. Zehn Millionen Euro wollen sie ab 2019 dafür jährlich über zehn Jahre aufbringen. Die Partner teilen sich die Summe paritätisch. "Filme dokumentieren auf einzigartige Weise die historische und kulturelle Entwicklung unseres Landes", sagte Grütters. "Sie sind jedoch ein überaus fragiles, vergängliches Kulturgut. Wichtig ist, dass vom Stummfilmklassiker bis zum Neuen Deutschen Film unser Filmerbe weiterhin öffentlich präsentiert werden kann."

Technisches Know-how Die Summe von 100 Millionen stammt aus einer Machbarkeitsstudie des Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Sie berücksichtigte auch, welche technischen Kapazitäten vorhanden sind. Durch die jahrelange Ungewissheit haben die technischen Betriebe Kapazitäten abgebaut. Selbst das letzte Filmkopierwerk des Landes im Bundesarchiv in Koblenz stand vor dem Aus. Das vorhandene Know-how bei der Restaurierung und Digitalisierung könne nun durch die Einigung bewahrt werden, freut sich der Verband filmtechnischer Betriebe. Trotzdem sind die 100 Millionen Euro für die "Jahrhundertaufgabe", so Monika Grütters, nur ein Einstieg. Rainer Rother, Direktor der Deutschen Kinemathek, hofft, dass die Förderung nach zehn Jahren verstetigt wird. Experten schätzen die Gesamtkosten auf rund 500 Millionen Euro.

Um die Liste der zu digitalisierenden Filme einzugrenzen, wurde jahrelang gestritten. Sollen alle Filme digitalisiert werden, die im Bundesarchiv oder den Depots des Kinemathekenverbundes aufbewahrt werden? Nur Meisterwerke für die Nachwelt zugänglich bleiben? Oder etwa Titel wie die Verfilmungen der Romane von Karl May bevorzugt werden, deren Auswertung wirtschaftlich lohnt? Alle Aspekte sollen künftig berücksichtigt werden: Wirtschaftliche Nutzung, kuratorisches Interesse und konservatorische Notwendigkeit.

Der Bund unterstützt seit dem Jahr 2012 Digitalisierungsprojekte. Im Bundeshaushalt für 2018 und 2019 stehen jeweils drei Millionen Euro zur Verfügung. Die Filmförderungsanstalt (FFA) gab 2012 bis 2015 je eine Million Euro aus, 2016 erhöhte sie auf zwei Millionen Euro, seit diesem Jahr sind es 3,3 Millionen Euro. Auch die Länder fördern bereits Digitalisierungsprojekte. Mecklenburg-Vorpommern vergab Zuschüsse an die DEFA-Stiftung zur Umspielung von Dokumentarfilmen und Berlin und Brandenburg geben bereits knapp 300.000 Euro aus. Das entspricht ihrem Anteil an den Ländermitteln des Bündnisses nach dem Königsteiner Schlüssel.

Durch das finanzielle Engagement konnten Wim Wenders "Himmel oder Berlin", Volker Schlöndorffs "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", Maren Ades Debüt "Alle anderen", aber auch Konrad Wolfs "Sonnensucher" und der DEFA-Märchenfilm "Dornröschen" in neuem Glanz erstrahlen.

Künftig wird wohl die FFA die Fördermittel verwalten. Bei der Auswahl wird sie sich wahrscheinlich weiterhin von der "500er-Liste mit erhaltenswerten Werken" leiten lassen, die vom Kinematheksverbund aufgestellt wurde und ständig aktualisiert wird.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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