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geschichte
Bernd Brunner
Wettlauf ins All

Nur wenige Ereignisse haben die Menschheit so gefesselt wie die erste Mondlandung vor 50 Jahren

Im September 1946 veröffentlichte die amerikanische Zeitschrift Collier's ein Plädoyer für die Kolonisierung des Mondes, verbunden mit der Warnung: "Raketen, die nur wenig schneller als die deutschen V-2s sind, könnten die Erde vom Mond aus angreifen. Zwei Jahre später war dort sogar von einem "Raketenblitzkrieg vom Mond" die Rede. Abbildungen zeigten bedrohlich aus Mondkratern ragende Raketen und wie sich Feuerkugeln infolge der Nuklearangriffe über New York ausbreiteten.

Vieles aus den Jahren nach dem Ende des Krieges klang nach Science-Fiction. Doch als die Sowjetunion im Oktober 1957 den Satelliten Sputnik 1 und einen Monat später Sputnik 2, diesmal mit dem Hund Laika an Bord, ins All geschossen und einen Schock ausgelöst hatte, wurde klar, dass es um mehr ging als um kühne Visionen. Plötzlich fanden sich die Amerikaner an zweiter Stelle wieder. Der US-Präsident Dwight D. Eisenhower reagierte 1958 mit der Gründung der Weltraumagentur NASA. In diese Zeit fällt auch ein lange geheim gehaltenes und später verworfenes Militärszenario: Die U.S. Air Force sondierte die Möglichkeit, auf dem Mond eine Nuklearexplosion auszulösen, um mit einem von der Erde aus sichtbaren Atompilz militärische Stärke zu demonstrieren.

Zunächst konnte die Sowjetunion noch weitere Triumphe feiern: 1959 schlug die Sonde Lunik 2 auf der Mondoberfläche ein, Lunik 3 lieferte das erste Foto von der Rückseite des Mondes und schließlich wurde 1961 mit Juri Gagarin der erste Mensch überhaupt ins All befördert - wo er 106 Mal die Erde umrundete. Ihm folgte im Jahr 1963 Walentina Tereschkowa als erste Frau. Kurz nach Gagarins Ausflug erklärte der frisch gewählte amerikanische Präsident John F. Kennedy, dass sich die USA zum Ziel setzen sollten, "noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond und sicher wieder zurück auf die Erde zu bringen". Man hatte jedoch keine Illusionen darüber, dass für die Umsetzung noch gewaltige Entwicklungen notwendig sein würden. In der Folge wurde das Budget der NASA um das Zehnfache erhöht und das Wettrennen zum Mond war eröffnet.

Der Weg zur ersten Mondmission Die amerikanische Öffentlichkeit stand dem Vorhaben anfänglich noch eher kritisch gegenüber, viele hielten es für eine gewaltige Geldverschwendung. Doch die Bedenken traten bald in den Hintergrund, eine Rolle spielte auch der Verdruss über das alptraumhafte Kriegsgeschehen in Vietnam. Auch wenn die Sowjets 1965 noch einen Weltraumspaziergänger bieten konnten und die Amerikaner einige Rückschläge erlitten, war bald klar, wer den Erfolg holen würde. Es war der deutsche Raketenforscher Wernher von Braun als Schlüsselfigur für das Mondprogramm.

Zunächst Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde und SS-Mitglied, hatte er sich den Amerikanern gestellt und nach dem Krieg verschiedene leitende Positionen in der US-Weltraumfahrt inne. So war er federführend an der Entwicklung der Saturn-Trägerraketen beteiligt und wurde noch 1970 zum Planungsdirektor der Nasa befördert. Der Mythos um Wernher von Braun hat wohlgemerkt einige heftige Risse bekommen: Obwohl klar belegt, wollte er von als Arbeitssklaven verpflichteten KZ-Häftlingen nichts gewusst haben.

Die Mondmission wurde schließlich am Abend des 20. Juli 1969 erreicht. "The Eagle has landed", verkündete der Astronaut Neil Armstrong seinen Kollegen in Houston. Kurz darauf waren die ersten Schritte gemacht. Die wackelnden Bilder von den Bewegungen auf dem Mond und die metallisch klingenden Stimmen der Astronauten zogen geschätzte 600 Millionen Menschen in ihren Bann. Nicht nur in der Bundesrepublik, auch in der DDR verfolgten viele Menschen um 3.56 Uhr deutscher Zeit live die Landung - indem sie auf das Westfernsehen zurückgriffen.

Mindestens ebenso bedeutsam wie das Betreten des Mondes war der Blick von dort zurück auf die Erde, der das Bewusstsein von der Verletzlichkeit unseres Planeten geschärft hat und einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Umweltbewegung haben dürfte. Im Dezember 1972 flog Apollo 17 zum Mond, diesmal allerdings ohne Menschen an Bord. Das Apollo-Programm war die größte nicht-militärische technologische Anstrengung, die von den Vereinigten Staaten unternommen wurde. In Zahlen: 25,4 Milliarden US-Dollar. Das sind nach heutigem Wert 180 Milliarden US-Dollar.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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