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Ortstermin: Programmierwettbewerb »Wir gegen das Virus«
Lisa Brüßler
Digitale Lösungen gegen Covid-19

Eine Vielzahl an Problemen für die Wirtschaft, immer neue Rekordzahlen an Infizierten, eine zunehmende Ohnmacht in der Gesellschaft - die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie scheinen die öffentliche Debatte zu dominieren. Veranstaltungen wurden in allen Bundesländern untersagt - nicht verboten sind sie im Internet. Ganz ohne physisches Treffen fand dort Ende März der erste Hackathon "#WirvsVirus", der vom Kanzleramt und einer Reihe von Digitalinitiativen ins Leben gerufen wurde, statt. Das Ziel: Gemeinsam an Ideen zum Umgang mit den Folgen der Pandemie zu arbeiten.

Hackathon ist ein Kunstwort aus der IT-Branche, das sich aus "hacken" und "Marathon" zusammensetzt. Die Idee dafür stammt aus dem digitalen Pionierland Estland. Bei dem Programmierwettbewerb arbeiteten Teams aus Entwicklern, Designern und Kreativen 48 Stunden lang an konkreten Aufgaben, bauten Prototypen und entwickelten Lösungen für Probleme - freiwillig und ohne Bezahlung. Mehr als 40.000 technikbegeisterte Menschen beteiligten sich, 1.500 Projekte entstanden dabei. "Es war ein großartiges Zeichen, dass es in unserer Gesellschaft trotz der Kontaktreduzierung möglich ist, großen Gemeinsinn zu entwickeln", sagte der Schirmherr, Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU).

Die von den Teams erstellten Projekte sind so vielfältig wie die Probleme, vor denen die Gesellschaft aktuell steht: Da geht es um neue Rechenmodelle, um die Dunkelziffer der Covid-19-Infizierten besser einschätzen zu können, aber auch um eine bundesweite Echtzeit-Darstellung von verfügbaren Krankenhaus-Kapazitäten per App. Auch Ideen zur Verbesserung der psychischen Gesundheit in der Krise, für ein effizienteres Lernen für Schüler zu Hause und dazu, wie sich Erntehelfer finden, sind dabei.

Entstanden sind, auf digitalem Weg, aber auch analoge Projekte. Eins davon ist ein Hilfstelefon, an dem eine elfköpfiges Team rund um den Bremer Entwickler Johannes Konze gearbeitet hat. "Wir alle haben Verwandte und Bekannte, die nicht so digital unterwegs sind wie wir. Es ist sehr wichtig, auch sie zu erreichen", erklärt Konze die Idee. In dem Projekt wird ein Festnetzanschluss bereitgestellt, über den Menschen Hilfe erhalten können. "Das kann sein, dass jemand beim Einkaufen Hilfe benötigt, oder auch nur, dass ein Kasten Wasser hochgetragen werden muss", sagt er. Die Anfragen per Telefon sollen in einem Portal kategorisiert und für Helfer in der Region zugänglich gemacht werden. Die Idee gefiel, denn das Team wurde von Deutschlands größtem Nachbarschaftsportal nebenan.de kontaktiert. Nun wird über eine Kooperation nachgedacht, damit das Projekt in die Praxis - und über die Corona-Krise hinaus - umgesetzt werden kann. "Es war eine super Erfahrung, aber mit weniger Teilnehmern und Projekten wäre der Output vielleicht qualitativ noch höher gewesen", sagt Konze. Nach Deutschland wollen nun auch andere Länder einen Hackathon machen, darunter Indien, Kanada und die Schweiz. "Damit ist Deutschland so ziemlich das erste Mal ein richtiger digitaler Trendsetter", resümierte Braun.Lisa Brüßler

Aus Politik und Zeitgeschichte

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