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Gastkommentare - Contra Masse statt Klasse

Ist allein der FLEISCHPreis das Problem?

06.07.2020
2023-08-30T12:38:19.7200Z
2 Min

S eit Monaten gelten sie als die Ursache fast allen landwirtschaftlichen Übels: die aus Sicht der Politik zu niedrigen Fleischpreise in Deutschland. Erst wollten vor allem die Grünen eine staatlich verordnete Erhöhung, nun ist auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) auf diese Linie eingeschwenkt. Eine Tierwohlabgabe und ein Verbot von Sonderangeboten mit Fleisch sollen die Branche zum Besseren verändern.

Doch wer glaubt, damit ließen sich vollgepferchte Ställe und Fließbandarbeit in Schlachthöfen beseitigen, täuscht sich. Und zwar nicht nur, weil eine Abgabe von 40 Cent je Kilogramm Fleisch, wie sie im Gespräch ist, an diesen Zuständen allenfalls in Nuancen etwas ändern wird. Das Problem ist nicht so sehr der Fleischpreis - es sind die Mengen an Fleisch, die wir essen. Knapp 60 Kilogramm sind es im Jahr im Schnitt, eine Zahl, die angesichts der Diskussionen der vergangenen Jahre erstaunlich konstant geblieben ist. Wir essen damit doppelt so viel Fleisch, wie unter Gesundheits- und Klimagesichtspunkten wünschenswert wäre.

Solange das so bleibt, wird sich an den industriellen Strukturen in der Tierhaltung wie auch bei der Verarbeitung wenig ändern. Dass die Verbraucher weniger Fleisch kaufen, wenn die 500-Gramm-Packung Schweinegeschnetzeltes statt 3,50 Euro künftig 3,70 Euro kosten sollte, ist unwahrscheinlich. Doch es gäbe einen wirkungsvolleren Hebel als den Preis. Warum nicht auf Fleischverpackungen ähnlich wie auf Zigarettenschachteln Schockfotos drucken? Wem vor Augen geführt wird, wie ein Tier der Haltungsstufe 1 gelebt hat, der könnte tatsächlich weniger, aber dafür unter besseren Bedingungen erzeugtes Fleisch kaufen.