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Gastkommentare - Pro
Hagen Strauß
Jetzt ist Krise

Kaufprämie für Verbrenner?

V iele Argumente sprechen gegen eine Kaufprämie für Autos mit Verbrennungsmotor. Das ist wahr. Aber diese Argumente stammen vor allem aus der Vor-Corona-Zeit. Jetzt ist Krise, jetzt muss gehandelt werden.

Es geht darum, einen der wichtigsten Industriezweige in Deutschland zu unterstützen, der zentral ist für den Wohlstand des gesamten Landes - die Autobranche. Die Verkaufszahlen sind in der Krise eingebrochen, die Pkw-Halden weiter gewachsen. Eine Prämie könnte daran etwas ändern. Deswegen macht sie Sinn. Zeitlich befristet allerdings, bis das Gröbste überstanden ist. Denn in der Tat liegt die Zukunft der Branche nicht beim Verbrenner.

Das heißt nicht, dass eine Prämie garantiert, dass die Deutschen auch umsteigen auf neue Fahrzeuge und damit wichtige Impulse setzen. Wer derzeit Angst um seinen Job hat, den zieht es wohl nicht so schnell ins Autohaus. Aber einige Tausend Euro staatlichen Zuschusses könnten zumindest die Neigung zum Pkw-Kauf befördern. Sie wären ein Startsignal. Und in der Corona-Krise hat die Regierung ja vielfach versucht, Effekte zu erzielen, ohne genau zu wissen, ob mit Erfolg oder nicht. Bestes Beispiel dafür ist die Mehrwertsteuersenkung.

Hinzu kommt: Wer die Umstellung will auf E-Autos und umweltfreundliche Technologien, der muss den Unternehmen auch das ökonomische Fundament belassen. Der Verkauf von Benziner und Diesel wird finanzielle Spielräume erhalten, um weiter in neue Techniken zu investieren. Hoffentlich. Davon profitieren dann alle, nicht zuletzt auch die rund 800.000 Menschen, die direkt bei Herstellern und Zulieferern arbeiten. Um die geht es nämlich ebenfalls - deren Arbeitsplätze wird die Prämie etwas sicherer machen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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