Inhalt

Aschot Manutscharjan
Kurz rezensiert

"Denken Sie bitte daran, dass die Bundesregierung heimlich Speichelproben sammelt, um Klone zu produzieren, die Sie dann ersetzen sollen. Tragen Sie daher dauerhaft Ihre Mund-Nasen-Bedeckung, um zu verhindern, dass die Regierung an Ihre DNS kommt", verkündete der Zugchef des ICE 373 von Berlin nach Interlaken im Mai 2020. Mit seiner Durchsage wendete er sich an "alle Verschwörungstheoretiker bei uns an Bord". Neben Beobachtungen aus der ersten Phase der Corona-Pandemie nennt der Journalist Thomas Ammann weitere Beispiele aus den Sozialen Medien, um deren negative Folgen auf die Demokratien und ihre Institutionen nachzuweisen. In seiner umfassenden Analyse listet er gezielte Lügen auf und schlussfolgert: Die großen Parteien und die etablierten Medien haben ihr Monopol auf die politische Agenda verloren. Ausführlich beschreibt er die Methoden der Internet-Plattformen und sucht nach Wegen, wie demokratische Regierungen ihre Glaubwürdigkeit in unruhigen Zeiten bewahren können.

Die Meinung, dass dunkle Mächte die Kita-Schließung vorangetrieben hätten und dass die Bundesregierung heimlich mit Bill Gates eine Verschwörung zur Unterjochung der Weltbevölkerung plane, würden nicht alle "besorgten Bürger" teilen. Die so genannten "Querdenker" blieben eine Minderheit, die sich ohne die digitalen Messenger-Dienste nie derart breit hätten vernetzen können. Was würde aber geschehen, wenn eine fremde Macht die Bürger gegen die eigene Regierung aufhetzen würde?

Ammanns Fazit lautet: Die Internetgiganten müssen verpflichtet werden, die Algorithmen offenzulegen, mit denen sie uns analysieren und bewerten. Außerdem müssten die sozialen Netzwerke ohne Wenn und Aber für die Inhalte einstehen, die sie veröffentlichen, so wie es die klassischen Medien tun. Das gelte auch für Straftaten wie Verleumdung oder Volksverhetzung.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag