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Vor 10 Jahren...
Benjamin Stahl
Arabischer Frühling

17.12.2010: In Tunesien beginnt eine Revolution "Wir erleben in diesen Tagen, welche Kraft die Idee der Freiheit entfalten kann", sagte Bundesaußenminister Guide Westerwelle (FDP) am 27. Januar 2011 im Bundestag. Das Parlament debattierte damals zum Thema "Tunesien - Jetzt Grundlage für stabile Demokratie schaffen". Hintergrund waren die Ereignisse in Nordafrika und dem Nahen Osten, die am 17. Dezember 2010, ihren Anfang genommen hatten: Als die Polizei einmal mehr seinen Obst- und Gemüsekarren beschlagnahmt hatte, zündete sich Mohamed Bouazizi, ein 26-jähriger tunesischer Gemüsehändler, selbst an - aus Protest gegen Korruption und Perspektivlosigkeit in seinem Land. Am 4. Januar starb er. Es war der Beginn einer Revolutionsbewegung, die als Arabischer Frühling in die Geschichtsbücher einging.

Als der Bundestag im Januar das Thema auf die Tagesordnung setzte, waren die Proteste und der Ruf nach mehr Demokratie bereits nach Ägypten, Algerien und Jordanien übergesprungen. Weitere Staaten, darunter Syrien und Libyen sollten folgen. Westerwelle sprach von einer "Globalisierung der Werte" und "demokratischer Prinzipien".

Eine flächendeckende Demokratisierung der Region, wie im Westen gehofft, hat es aber nicht gegeben. Einzig Tunesien hält an den erkämpften demokratischen Reformen fest. Dass Bouazizi sich aus politischen Gründen selbst getötet hat, bestritt dessen Familie übrigens. Seine Geschwister beteuerten, es sei ein Unfall gewesen. Im Islam gilt Selbstmord als schwere Sünde.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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