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Finanzen
Hans-Jürgen Leersch
Anleihen werden grün

Standards für nachhaltige Anlagen geplant

Das Prinzip der Nachhaltigkeit setzt sich in allen Lebensbereichen durch und hat auch die Finanzwirtschaft erreicht. Grüne Geldanlagen sind begehrt, wie die Emission von zwei "Green Bonds" der Bundesregierung auf dem Anleihenmarkt zeigte. Damit werden Ausgaben im Bundeshaushalt finanziert, die zum Beispiel im Zusammenhang mit Klimawandelbekämpfungsmaßnahmen stehen. Die EU hat inzwischen eine Taxonomie mit Grundsätzen für eine nachhaltige Finanzwirtschaft (Sustainable Finance) vorgelegt.

Im Finanzausschusses des Bundestages berichtete in der vergangenen Woche der Leiter des Sustainable Finance-Beirates der Bundesregierung, Karsten Löffler, über die Arbeit des Gremiums. Löffler bezeichnete die Taxonomie als "Einkaufsliste für zukunftsfähige Aktivitäten". Der aus 38 Mitgliedern aus Finanzwirtschaft, Realwirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft sowie Beobachtern aus Verbänden und Bundesbank bestehende Beirat wolle der Bundesregierung im Februar 2021 seinen Bericht mit Empfehlungen zur Strategieentwicklung vorlegen. Die Finanzwirtschaft habe großes Interesse an der Schaffung europäischer Standards zur Sustainable Finance. Deutschland müsse sich auf europäischer Ebene stärker einbringen, forderte Löffler. Eine Reihe von Nachbarländern hätten ihre Strategien bereits veröffentlicht. Sustainable Finance sei kein Selbstzweck, sondern solle den Finanzsektor in die Position bringen, die Transformation der Wirtschaft "bestmöglich zu begleiten und zu finanzieren".

Vertreter mehrerer Fraktionen warnten allerdings vor zu hohen Belastungen des Mittelstands durch Sustainable Finance. Die CDU/CSU-Fraktion erklärte, die Finanzwirtschaft sehe in Sustainable Finance ein künftiges Geschäftsmodell, während sich der von der Umsetzung besonders betroffene Mittelstand bei den Beratungen des Beirates nicht hinreichend repräsentiert sehe. Es sei zu befürchten, dass ein regulatorischer Rahmen gefunden werde, der nicht nur Bürokratie bringe, sondern Innovation verhindern werde. Auch die SPD-Fraktion empfahl, auf die Praxistauglichkeit zu achten. Die AfD-Fraktion vermisste eine Kosten-Nutzen-Analyse für die deutschen Unternehmen zu den Empfehlungen des Beirats. Die FDP-Fraktion wies darauf hin, dass viele im Rahmen von Sustainable Finance zu erbringende Daten bei mittelständischen Betrieben gar nicht verfügbar seien. Positiv reagierten Linke und Grüne. Viele Investoren suchten händeringend nach nachhaltigen Anlagemöglichkeiten, so die Grünen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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