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AUSZEICHNUNG
Volker Müller
Vier Tage im November

Medienpreis des Bundestages für Nico Fried und Boris Herrmann

Die abschließenden Beratungen des Bundeshaushalts gelten als "journalistisches Schwarzbrot". Vier Tage lang debattiert der Bundestag über die geplanten Einnahmen und Ausgaben der einzelnen Ministerien, spektakuläre Schlagzeilen sind da nicht zu erwarten. Im November 2019 haben die beiden Journalisten Nico Fried und Boris Herrmann sich die Mühe gemacht, den Haushaltsmarathon im Plenarsaal zu verfolgen und dabei am Rande auch mit Abgeordneten und Gästen auf der Besuchertribüne zu sprechen. Herausgekommen ist eine mehr als 800 Zeilen umfassende Reportage mit dem Titel "Die da - Wer den Bundestag und seine Abgeordneten kennenlernen will, sollte sich die Haushaltswoche ansehen". Für diesen Beitrag hat ihnen Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) am vergangenen Mittwoch den Medienpreis Parlament 2021 des Bundestages verliehen.

Die Preisübergabe fand im Rahmen eines Gesprächs der beiden Parlamentskorrespondenten der "Süddeutschen Zeitung" mit dem Bundestagspräsidenten und der Vorsitzenden der unabhängigen Jury des Medienpreises, Claudia Nothelle, im Studio des Parlamentsfernsehens statt. Jurymitglied Daniel Goffart von der "Wirtschaftswoche" begründete in einem Einspieler, weshalb die Reportage preiswürdig war: "Sie schaffen es, die überaus komplexe politische Wirklichkeit in unserem Land anschaulich zu beschreiben." Den Autoren sei ein "Meisterstück des politischen Features" gelungen, von "journalistischem Schwarzbrot" könne keine Rede sein, denn: "Hinter jedem Euro, den der Bundestag bewilligt, steckt mindestens eine kleine Geschichte, manchmal sogar ein großes Drama." Voll des Lobes äußerte sich auch Wolfgang Schäuble, der den Text "zur Pflichtlektüre für jede journalistische Ausbildung" machen würde.

Dass der Bundestag ein Steinbruch für weitere spannende Themen ist, macht ein weiteres Projekt deutlich, das Fried und Herrmann angehen wollen: Das "Wesen und Unwesen" der Kleinen Anfragen der Fraktionen an die Bundesregierung. Einerseits Teil des wichtigen Fragerechts des Parlaments, andererseits aufgrund ihrer wachsenden Menge eine zunehmende Belastung für die Ministerien.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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