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Aschot Manutscharjan
Kurz rezensiert

In den vergangenen 35 Jahren konnten 50 Prozent der Weltbevölkerung "nur mickrige zwölf Prozent des globalen Einkommenszuwachses für sich verbuchen". Gleichzeitig halte "das Eine Prozent" 27 Prozent des neuen Vermögens. "Dazu hätte es eigentlich nicht kommen sollen", meint Katharina Pistor, Professorin an der New Yorker Columbia Universität. Die offenen Grenzen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Zusammenbruch des Sozialismus hätten der globalisierten Wirtschaft einen Schwung verleihen und Verhältnisse schaffen sollen, von denen alle profitieren. 30 Jahre später "feiert" die Menschheit nicht den Wohlstand für alle, sondern diskutiert, ob wir nicht ein Maß an Ungleichheit erreicht haben, dass es zuletzt vor der Französischen Revolution gab. Demokratische Staaten nimmt die Wissenschaftlerin von dieser Entwicklung ausdrücklich nicht aus.

Pistor hat den Code entziffert, der es dem Kapital erlaubt, sich ungebremst zu vermehren. Jahrhundertelang hätten Rechtsanwälte systematisch darauf hingearbeitet, den Wohlstand ihrer Mandanten zu mehren. Gleichzeitig seien mit Hilfe der Gesetzgebung Vermögenswerte geschützt worden. Anhand zahlreicher Beispiele erläutert die Autorin, wie das Recht gleichermaßen Vermögen und Ungleichheit schuf und sich dabei "fest in den Dienst des Kapitals" stellte.

Die Wissenschaftlerin fordert einen neuen Gesellschaftsvertrag zwischen Kapital und Gesellschaft. Zumindest müssten die vielen Privilegien zurückgenommen werden, die das Kapital genießt. Ansonsten komme es zu einer Revolution oder "die reine Macht" werde die Herrschaft über die Rechtsordnung erringen. Als Beispiele verweist sie auf die Entwicklung in Polen und Ungarn, aber auch in Großbritannien und den USA. Wer sich fundiert über die Ursachen der wachsenden Ungleichheit in unseren Gesellschaften informieren möchte, dem sei Pistors Buch dringend empfohlen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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