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Gastkommentare - Pro
Ulrike Winkelmann
Visionen sind nötig

IST DIE ZWEI-STAATEN-LÖSUNG NOCH REALISTISCH?

W ahr ist, dass die Rede von der Zwei-Staaten-Lösung zuletzt recht hohl klang - Motto: Es fällt uns zu Israel und Palästina zwar nichts mehr ein, aber "an Zwei-Staaten-Lösung festhalten" lässt sich immer fordern. Das aber sagt vor allem etwas über diejenigen aus, die da sprachen - und weniger über die Lösungsvorstellung selbst. Denn was haben alle die denn vorzuschlagen, die jetzt so lässig meinen, die Zwei-Staaten-Lösung habe sich doch längst erledigt?

Angefangen beim ewigen Frieden aller Völker, kennt die internationale Politik viele hehre Ziele. Darunter ist die Zwei-Staaten-Lösung für Israel und Palästina immerhin noch eines der realistischeren. Dass viele den Glauben daran verloren haben, liegt nicht am Konzept, sondern an zwölf Jahren Regierung durch Benjamin Netanjahu, davon vier im Konzert mit dem ähnlich gesinnten Donald Trump. So wie in den USA können jedoch auch in Israel eines Tages Verständigungswillen und Großzügigkeit wieder in die Regierung einziehen. Und natürlich muss sich auf palästinensischer Seite auch unendlich viel verändern.

Es stimmt: Ein Blick auf die immer fleckenhafter gewordene Landkarte von Israel und Palästina kann Fans der Zwei-Staaten-Lösung nur entmutigen: Wie sollen hier je noch halbwegs plausible Grenzen gezogen werden? Doch es gibt in der Politik viele visionäre Vorstellungen, die so vermutlich nie erreicht werden - und dennoch nötig sind: Als Zielmarken, um überhaupt einen Weg zu finden, auch um die Politik auf ein sinnvolles Handeln zu verpflichten und sie bewerten zu können.

Die Zwei-Staaten-Lösung aufzugeben, ohne eine bessere solche Zielmarke zu setzen, hieße, dem herrschenden Zynismus freie Bahn zu lassen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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