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wirecard Dreifache Lobbyarbeit

Einfluss von Ex-Spitzenpolitikern im Fokus

18.01.2021
2023-11-13T09:51:14.3600Z
2 Min

Für Lars-Hendrik Röller gehört es zum Beruf, wenn Vertreter der Wirtschaft ihn mit ihren Anliegen bedrängen. Als Leiter der Wirtschaftsabteilung des Kanzleramts ist er die Schnittstelle der Firmenchefs zur Regierungschefin. In dieser Rolle hat er durchaus ein offenes Ohr für die Wünsche der Industrie. Röller stellte daher in der vergangenen Woche vor dem Wirecard-Ausschuss einen Vorgang vom Herbst 2019 als reine Routine dar, der heute Gegenstand intensiver Nachforschungen des Bundestages ist: Hilfestellung der Kanzlerin für das Finanztechnik-Unternehmen Wirecard beim Markteintritt in China.

Damals hatten sich mehrere Berater im Namen von Wirecard an Röller gewandt. Inzwischen ist das Unternehmen jedoch vom Star der Wirtschaftswelt zum größten Skandal der deutschen Nachkriegsgeschichte abgestürzt. Röller muss nun die Frage beantworten, wie viel Einfluss gut vernetzte Ex-Politiker auf die Vorgänge im Kanzleramt haben. "Die Kanzlerin ist nicht eingespannt worden", insistierte er auf eine kritische Frage des Abgeordneten Hans Michelbach (CSU). Die Abgeordnete Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen) wies jedoch darauf hin, dass sich in dieser Zeit gleich drei Lobbyisten für Wirecard stark gemacht hätten: Neben Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) waren das auch der ehemalige Kanzleramts-Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche (CSU) und Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust (CDU).

Der Wirecard-Untersuchungsausschuss widmete sich auch der Rolle der Banken in den Skandal. Ein Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel lieferte den Abgeordneten pünktlich zu einer zweiten Sitzung neue Munition für ihre Befragung. Eine Aktienexpertin der Commerzbank soll Wirecard bis fast zum Schluss hochgejubelt und dem Konzern-Management sogar vertrauliche Informationen aus der Finanzwelt gesteckt haben. Der Risikovorstand der Bank, Marcus Chromik, bezeichnete sein Institut dagegen vor dem Ausschuss als Opfer des groß angelegten Betrugs.

Die Commerzbank hatte einen gemeinsamen Kredit mehrerer Banken über 1,75 Milliarden Euro für Wirecard eingefädelt. Viel davon ist weg - Wirecard hatte einen Großteil seiner Umsätze und seines Gewinns mit Luftgeschäften erzeugt. Auch eine genaue Begutachtung habe seinerzeit aber keine Belege für Fehler in der Rechnungslegung ergeben, so Chromik. Die Detailprüfung sei Aufgabe der Wirtschaftsprüfer. Die Bayerische Landesbank, die von Vorstandsmitglied Marcus Kramer vor dem Ausschuss vertreten wurde, hatte dagegen schon 2018 Probleme gewittert und sich aus dem Geschäft mit Wirecard zurückgezogen.