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Gastkommentare - Contra
Richard Fuchs
Nutzlose Schikane

Brauchen wir mehr Pfandsysteme?

D ie einfachste Möglichkeit, um Müll zu vermeiden, ist es, ihn gar nicht erst entstehen zu lassen. So banal diese Binsenweisheit klingt, so zielführend ist sie als Kompass für die politische Auseinandersetzung mit dem Thema Müll. 2019 wurde hierzulande pro Kopf im Schnitt 76 Kilogramm Plastikmüll produziert. Wir Deutschen zählen damit zu Europas größten Plastiksündern. Doch wer am Ende des Abfallkreislaufs versucht, dem Kunststoffmüllberg mit komplizierten und unwirksamen Pfandsystemen beizukommen, der wird scheitern. Warum? Ganz einfach: Weil Müll, der in der Welt ist, mit viel Ressourcenaufwand wieder aus der Welt geschafft werden muss. Ein Pfandsystem für gewöhnliche Plastikverpackungen wäre also vor allem eines: Eine Schikane für Endverbraucher, mit wenig Aussicht darauf, am Grundproblem etwas zu ändern.

Politik muss Plastikmüll verhindern, bevor er entsteht. Das viel gescholtene, aber meistens doch sehr zielführende Ordnungsrecht kann genau diese Steuerung bewerkstelligen. Das Leitbild sollte dabei sein: Wer viel Müll produziert, soll viel bezahlen. Wer wenig Müll in Umlauf bringt, sollte belohnt werden. In politische Programme gepackt bedeutet das: Aufwendig verpackte Güter sollten mit einer zusätzlichen Verpackungsumlage teurer, unverpackte Güter dagegen durch eine Nicht-Besteuerung günstiger werden. Das setzt dort an, wo die Marktwirtschaft ihre größte Hebelwirkung für Plastikmüllproduzenten entfaltet: Beim Preis, den die Endverbraucher bereit sind zu zahlen - oder eben nicht. Die Empfehlung lautet, sich dem Müll dort entgegenzustellen, wo er entsteht.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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