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Parlamentarisches Profil
Götz Hausding
Die Abfallexpertin: Bettina Hoffmann

D as Müllaufkommen in Deutschland steigt, die Mehrwegquote sinkt. Und das, wo doch die Deutschen als vorbildliche Mülltrenner und Erfinder des Grünen Punktes gelten. Für Bettina Hoffmann, umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, stellen aber nicht die Verbraucher das Problem dar. Sie vermisst Anreize und auch gesetzliche Regelungen, um das Mehrwegsystem zu unterstützen. Während immer mehr Brauereien aus Marketinggründen individuelle Flaschen kreieren, was das Mehrwegsystem behindert, fordert sie Regelungen, wodurch "Mehrweg immer günstiger ist, als die Einwegvariante". Das müsse freilich nicht nur bei Flaschen, sondern beispielsweise auch bei den Verpackungen von Lebensmitteln gelten.

In diese Richtung ging auch die Idee des Pfands auf Einwegplastikflaschen. Ergebnis dessen ist ein dickes Plus in der Kasse der Supermärkte wegen des oft nicht eingelösten Pfands. Ist die Idee gescheitert? "Nein", sagt Hoffmann. "Wir haben dadurch schon eine gute Sammelquote bei Flaschen erreicht, die wiederverarbeitet werden." Ziel sei aber ein Pfand auf alle Flaschen - ohne Ausnahmen bei Milchprodukten oder ähnlichem. Das System solle verbraucherfreundlicher werden, jede Flasche müsse in jeden Pfandautomaten in jedem Supermarkt passen, verlangt die Grünen-Abgeordnete.

Das geflügelte Wort der Kreislaufwirtschaft indes umfasst noch weit mehr. "Wir haben die Vision, dass Müll Rohstoffe sind", sagt sie. Wenn etwa Lithium in elektrischen Geräten erschlossen und in die Kreisläufe geführt werde, um es wieder zu nutzen, könne von einer Kreislaufwirtschaft gesprochen werden.

Der größte ökologische Fußabdruck entstehe aber bei der Herstellung der Geräte. Also sollten sie so lange wie möglich genutzt werden. Die Geräte müssten reparierbar sein - es brauche längere Garantiefristen. Am Ende sollten sie wieder beim Hersteller landen. "Daher wollen wir einen Handy- und Tabletpfand von 25 Euro", sagt Hoffmann. Dann hätten die Verbraucher einen Anreiz, die Geräte zurückzugeben, damit die Hersteller sie wieder aufarbeiten.

Dicke Bretter, die es da zu bohren gilt. Aber dafür ist die heute 61-Jährige mit Beginn der laufenden Legislaturperiode aus der hessischen Kommunalpolitik nach Berlin gegangen. "Kommunalpolitik ist schon sehr spannend, weil man deren Auswirkungen direkt vor Ort spürt", sagt sie. Wenn man aber bei den großen Entscheidungen am Tisch sitzen will, müsse man im Bundestag sein. Sie habe ihre Erfahrungen aus dem Beruf und aus der Kommunalpolitik nutzen und in der Fraktion gute Impulse setzen können, meint die promovierte Biologin, die mit ihrem Mann von 2009 bis 2017 eine Agentur für Planung und Kommunikation im Bereich Umwelt, Tourismus und Regionalentwicklung im hessischen Niedenstein geleitet hat.

Die vergangenen vier Jahre in Berlin haben Lust auf mehr gemacht. Für die Bundestagswahl steht sie auf Platz eins der Grünen-Landesliste in Hessen. "In dieser Zeit, wo es so sehr darauf ankommt, dass sich Dinge grundsätzlich verändern, gehört eine Umweltpolitikerin an die Spitze", findet sie. Mit diesem Ansatz habe sie die hessische Parteibasis hinter sich gebracht.

Aller Voraussicht nach könnten die Grünen der nächsten Bundesregierung angehören. Gibt es da Ängste, das in der Opposition geforderte nicht umsetzen zu können? Nicht bei Bettina Hoffmann. "Unser Programm ist so aufgebaut, dass wir sehr viele alltagsnahe, praktische Projekte haben, die sichtbar umsetzbar sind", sagt sie. Zugleich hält sie die vorhandenen Probleme für so komplex, "dass sie nicht innerhalb von vier Jahren zu lösen sind". Es gelte, die Weichen für dieses Jahrzehnt zu stellen. "Darauf kommt es an", betont sie.

Eine Präferenz, wer denn der Partner bei dieser Weichenstellung sein sollte, äußert sie nicht. Sie würde am liebsten mit der Fraktion koalieren, "die den wirklichen Willen zur Veränderung hat und bereit ist, das auch mitzugehen".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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