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EDITORIAL
Johanna Metz
Gewinnen durch Sparen

Deutschland ist Europameister. Nicht im Fußball, klar, dafür beim Anhäufen von Verpackungsmüll. 18,9 Millionen Tonnen waren es 2018, mehr als 227 Kilogramm pro Kopf. Mehr Elektroschrott als wir schmeißen darüber hinaus nur Schweden und Franzosen weg, im Ranking der größten Müllproduzenten stehen wir weltweit auf Platz fünf. Und die Müllberge wachsen weiter. Weil die Haushalte schrumpfen, werden Lebensmittel immer kleinteiliger verpackt, ohne Dosier- oder Portionierungsfunktion kommt kaum ein Produkt mehr aus. Online-Handel, Essens-Lieferdienste und vorverarbeitete Lebensmittel boomen, genauso wie die ressourcenfressende Baubranche.

Beim Anblick der überquellenden Mülltonnen vor unseren Haustüren mag es tröstlich sein zu wissen, dass Deutschland so viel Abfall recycelt wie kein anderes Land in der EU. Unter dem Strich aber bleibt: Es fällt viel zu viel Müll an und viel zu wenig davon wird wiederverwertet. Das ist schlecht für die Umwelt und schlecht für die ohnehin knappen Ressourcen.

Inzwischen gibt es viele Gesetze, die den Müllberg reduzieren sollen. Frisch dazu gekommen sind erweiterte Rücknahmepflichten für Elektroaltgeräte und ein Verbot von Artikeln aus Einweg-Plastik. EU-weit sollen feste Vorgaben zur Verwendung von recycelten Materialien folgen. Unabhängig davon kann jeder Verbraucher selbst etwas tun, um Abfall zu sparen: Mehrweg statt Einweg kaufen, abgepackte und verschweißte Waren meiden, reparieren statt wegschmeißen. Doch nur auf die Konsumenten zu zeigen, greift zu kurz. Auch die Hersteller müssen endlich ihren Job machen. Statt den Markt weiter mit Waren für die Wegwerfgesellschaft zu fluten, sollten sie clevere Produkte entwickeln, die so lange wie möglich genutzt werden können, die reparierbar und recyclingfähig sind. Das muss nicht zu ihrem Schaden sein: Die Mehrheit der europäischen Verbraucher ist bereit, für nachhaltige Produkte mehr Geld auszugeben. Und wird Ressourceneffizienz nicht immer wichtiger, erst recht in einem rohstoffarmen Land wie unserem? Stahl, Aluminium, Holz und Kupfer werden knapper und damit teurer. Seltene Erden, wie sie in unseren Handys verbaut sind, heißen nicht nur so, sie sind es auch. Wer also an Ressourcen spart, gewinnt. Ist das nicht Anreiz genug?

Aus Politik und Zeitgeschichte

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