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Ortstermin: Der Wald der Erinnerung
Denise Schwarz
Wenn ein Kamerad sein Leben verliert

Nicht jeder Soldat kehrt lebend aus dem Auslandseinsatz zurück. Allein die Mission der Bundeswehr in Afghanistan kostete 59 Soldaten das Leben. Ihnen und allen bisher im Auslandseinsatz zu Tode gekommenen Soldaten ist der Wald der Erinnerung auf dem Gelände des Einsatzführungskommandos bei Potsdam gewidmet.

Entlang eines ansteigenden Weges, der die Beschwerlichkeiten des Auslandseinsatzes verdeutlichen soll, stellen sich den Besuchern gleich zu Beginn der Gedenkstätte acht Stelen mit Namensbändern in den Weg, die an die verstorbenen Soldaten im Auslandseinsatz erinnern; 115 sind es heute. "Wir verzichten bei den Namensstelen bewusst auf Unterscheidungen wie Dienstgrade, um zu zeigen, dass hinter jeder Uniform ein Mensch steckt", sagt Stabsfeldwebel Michael Eichstaedt, der selbst fünf Auslandseinsätze hinter sich hat und regelmäßig Besucher durch den Wald der Erinnerung führt. Im Fokus der Gedenkstätte steht das persönliche Gedenken. Hinterbliebene und Soldaten wirkten maßgeblich an der Konzeption der Stätte mit. Seit seiner Einweihung im November 2014 zählt der Wald der Erinnerung jährlich bis zu 11.000 Besucher. Neben ehemaligen Kameraden, Hinterbliebenen sowie Offiziers- und Unteroffiziersanwärter begrüßt die Gedenkstätte auch regelmäßig weitere zivile Gäste. "Dadurch zeigt sich, dass die Gedenkstätte angenommen wird, obwohl sie in einer militärischen Einrichtung untergebracht ist", sagt Eichstaedt.

Zentraler Bestandteil der Gedenkstätte sind die in den Auslandseinsätzen errichteten Ehrenhaine. "Wenn man als Soldat im Auslandseinsatz ist und ein Kamerad sein Leben verliert, dann haben auch wir als Soldaten den Wunsch, einen Ort des Gedenkens und Erinnerns zu haben", erklärt Eichstaedt die Funktion der Ehrenhaine. Meist sind sie aus einfachen Dingen wie Holz oder Findlingen gestaltet. Im Wald der Erinnerung werden die Ehrenhaine mit diesen Originalornamenten neu errichtet. Mit höchstmöglichem Wiedererkennungswert für die im Einsatz gewesenen Soldaten und die Hinterbliebenen entsteht so ein Ort, der an die Verstorbenen erinnert. Insgesamt sechs Ehrenhaine für Einsätze in Afghanistan, Bosnien-Herzegowina und Kosovo umfasst die Gedenkstätte. Bald wird ein weiterer hinzukommen. Bereits Ende Mai hat die Bundeswehr den 27 Tonnen schweren Gedenkstein aus Camp Marmal, ihrem letzten Lager in Afghanistan, ausgeflogen. Aktuell wird er für die hiesigen Witterungsverhältnisse präpariert. Eine Fertigstellung ist für Ende 2022 geplant. Als steinernes Ehrenmal wird es zukünftig an den Einsatz und seinen Preis erinnern.Denise Schwarz

Aus Politik und Zeitgeschichte

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