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Aufgekehrt
Alexander Weinlein
Ein saumäßiger Name

Mit seinen 200 Kilogramm ist er bereits im Alter von vier Jahren eine durchaus respekteinflößende Erscheinung. Dabei ist er noch nicht einmal ausgewachsen. Sein Vater brachte es gar auf 350 Kilo. Aber auch so ist er ein Wildschwein aus dem Bilderbuch. Und gemeinsam mit einer insgesamt 21-köpfigen Saubande lebt er ein durchaus beschauliches Leben im Wildpark Waldhaus Mehlmeisel im Landkreis Bayreuth.

Alles in allem könnte der Schwarzkittel also saumäßig glücklich sein. Wenn da nicht sein Name wäre: "Putin" taufte Wildparkbetreiber Eckard Mickisch das Schwein, als es noch als Frischling aus Russland in das schöne Bayern gebracht wurde. Mit einem Schmunzeln habe er das russische Wildschwein damals nach dem Kreml-Herrscher benannt. Doch nach dem Angriff auf die Ukraine sei ihm klar geworden, "dass keine Sau so einen Namen verdient hat". Abgesehen davon hätten ukrainische Flüchtlinge freien Eintritt im Wildpark und sollten nicht mit diesem Namen konfrontiert werden.

Nun wissen wir natürlich nicht, was Putin von der Sache hält. Aber da der Keiler nach Aussagen des Wildparkbetreibers am Futtertrog zwar durchaus durchsetzungsstark, ansonsten aber sozialverträglich und umgänglich ist, vermuten wir jetzt einfach mal, dass ihm seine schweinischen Instinkte raten, sich fortan lieber unter einem anderen Namen im Dreck zu suhlen.

Jetzt sucht der Wildpark in einer Online-Abstimmung einen neuen Namen. Unter den 2.700 Vorschlägen rangierten "Klitschko" und "Selenskyj" ganz oben, aber der Wildpark will nicht weiter politisieren. In der Endabstimmung steht aber auch "Mir" zur Auswahl. Und Frieden ist nun wirklich schweinegeil. Es wäre schön, wenn Putin das auch so sehen würde.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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