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Aufgekehrt
Sören C. Reimer
Kurz goes to America

Er dürfte einer der jüngsten Politik-Rentner der Neuzeit sein: Mit nur 35 Jahren hat Sebastian Kurz der Politik den Rücken gekehrt. Hatte er im Oktober vergangenen Jahres zunächst die Kanzlerschaft in Österreich hingeschmissen, war Anfang Dezember Kurz-Schluss: Er legte sämtliche Posten und Ämter nieder. Als einen Grund führte er die Geburt seines Sohnes Ende November an. Dass gegen ihn wegen Korruptionsverdachts ermittelt wird, dürfte indes auch einer sein. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, Umfragedaten manipuliert haben zu lassen, um seinen Aufstieg zu ermöglichen.

Aber eine Familie will versorgt werden, Windeln sind teuer. Auch Rechtsanwälte wollen bezahlt werden, so ein Strafverfahren ist nicht günstig. Doch Kurz hat schon vorgesorgt und sich laut Medienberichten einen lukrativen Job gesichert. Ihn zieht es angeblich in die Vereinigten Staaten, genauer: ins Silicon Valley, dem Mekka der Tech-Industrie. Welches Unternehmen den bisherigen Berufspolitiker angeheuert hat, war zu Redaktionsschluss nicht bekannt. Aber über sein Gehalt wurde schon fleißig spekuliert: 500.000 Euro soll es angeblich betragen. Das wären 190.000 Euro mehr, als er als Regierungschef von Österreich verdiente. Aus Sicht der Tech-Milliardäre im Valley liegt er damit aber auch nur knapp über dem Einstiegsgehalt für Pförtner.

Anpassungsschwierigkeiten dürfte Kurz indes nicht haben. Wer es in Wien geschafft hat, erst mit der rechtspopulistischen FPÖ zu regieren, dann mit den Grünen, dem darf eine gewisse Flexibilität zugestanden werden. Und wer sich mit Ungarns Premierminister Viktor Orbán versteht, der wird auch mit Sympathieträgern wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg keine Probleme haben. Und mit Daten, der Währung Nummer eins in Kalifornien, kennt er sich mutmaßlich auch gut aus.Sören C. Reimer

Aus Politik und Zeitgeschichte

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