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Vor 40 Jahren...
Benjamin Stahl
Wandernder Präsident

17.1.1982: 2000 Menschen begleiten Bundespräsidenten. Eine Wanderung mitten im Winter ist sicher nicht jedermanns Sache. Dennoch liefen am 17. Januar 1982 rund 2.000 Menschen durch ein Waldgebiet zwischen Hattingen und Essen. An der Spitze: Bundespräsident Karl Carstens. Seit Beginn seiner Amtszeit im Jahr 1979 hatte Carstens die Bundesrepublik bereits von der Ostsee bis zu den Alpen zu Fuß durchquert; auch von West nach Ost - von der Eifel in die Rhön - sollte er die Republik wandernd erkunden. Einer seiner ersten Termine als Bundespräsident fand dementsprechend bei Blasmusik an einem Wanderweg in Schleswig-Holstein statt. Er wolle das Land "in Etappen" durchwandern, hatte er dabei angekündigt. "Immer nur in drei Tagen. Nicht, dass Sie denken, ich werde in den nächsten zwei Monaten meine Amtsgeschäfte aufgeben und nur noch wandern gehen. Das geht leider nicht", sagte er.

Seit dem "Wanderpräsidenten" Carstens haben zahlreiche Politiker das Wandern für sich entdeckt. Abgeordnete wandern durch ihre Wahlkreise, Ministerpräsidenten durch ihre Bundesländer. Das wirkt bodenständig, heimatverbunden und volksnah. Carstens' Wanderleidenschaft kam gut an. Bei den Menschen gewann er Vertrauen, in der Presse gab es positive Berichte. Beides hatte der Bundespräsident nötig. Die Wahl des von der CDU aufgestellten Kandidaten wurde im In- und Ausland nämlich mit Argwohn beobachtet: Carstens war NSDAP-Mitglied gewesen. Einen Rechtsruck gab es während seiner Amtszeit jedoch nicht. Stattdessen blieb er als Wanderpräsident in Erinnerung - nicht nur wegen seiner Wanderungen, sondern auch durch die von ihm gestiftete Eichendorff-Plakette für Wandervereine.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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