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Vor 10 Jahren...
Benjamin Stahl
Gedenken an NSU-Opfer

23.2.2012: Merkel bittet Angehörige um Verzeihung. Die Hintergründe der Tat "lagen im Dunkeln, viel zu lange", zog Angela Merkel (CDU) am 23. Februar 2012 eine ernüchternde Bilanz über die Ermittlungen zu den später als NSU-Morden bekannt gewordenen rechtsextremen Terroranschlägen. "Das ist die bittere Wahrheit." Kaum jemand habe es für möglich gehalten, dass Rechtsextremisten hinter den Morden an zehn Menschen stecken könnten, so die Bundeskanzlerin in ihrer Rede auf der zentralen Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Opfer des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Das habe zu Ermittlungen im Drogen- und Mafia-Milieu und selbst in den Familien der Opfer geführt. "Einige Angehörige standen Jahre selbst zu Unrecht unter Verdacht. Das ist besonders beklemmend. Dafür bitte ich Sie um Verzeihung."

1.200 geladene Gäste nahmen an diesem Tag an der Trauerfeier im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt teil. Erst drei Monate zuvor war die Mordserie des NSU, die Merkel einen "Anschlag auf unser Land" nannte, bekannt geworden. Der NSU hatte zwischen 2000 und 2007 neun Kleinunternehmer türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin getötet. Die Zeit bis zur Aufklärung müsse für die Angehörigen ein nicht enden wollender Alptraum gewesen sein, so Merkel. "Sie stehen nicht länger allein mit Ihrer Trauer, wir fühlen mit Ihnen, wir trauern mit Ihnen", sagte sie vor den rund 80 anwesenden Hinterbliebenen. Wir schwer es war, mit dem falschen Verdacht leben zu müssen, fasste die Tochter eines im Jahr 2000 Ermordeten so zusammen: "Elf Jahre durften wir nicht einmal reinen Gewissens Opfer sein."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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