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Kurz rezensiert
Aschot Manutscharjan
Angelesen

Der tschechische Politikwissenschaftler Lukas Novotný untersucht in seiner bemerkenswerten Studie die Einstellung von Deutschen und Tschechen zu den bilateralen Beziehungen beider Staaten im 20. Jahrhundert. Der Schwerpunkt seines Buches liegt - wie nicht anders zu erwarten - auf der Darstellung der Haltung von Tschechen und Deutschen zum "geordneten Transfer" beziehungsweise zu den "wilden Vertreibungen": Es geht um die vom tschechischen Staat organisierten und in den so genannten Beneš-Dekreten verankerte Enteignung und Vertreibung der "Deutschen, Magyaren und anderer Staatsfeinde" in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Novotný betont, dass bis heute in Tschechien, insbesondere in den Grenzgebieten, die Meinung vorherrsche, die Vertreibung der Sudetendeutschen sei berechtigt und notwendig gewesen. Am Ende spricht der Autor eine nüchternde Empfehlung aus: Die beiden Völkern sollten sich damit abfinden, dass es mindestens zwei Wahrheiten gebe. Wichtig sei nur, dass keine Seite der anderen ihre Wahrheit aufzwinge.

Lukas Novotný:

Vergangenheits- diskurse zwischen Deutschen und Tschechen.

Nomos Verlag, Baden-Baden 2009; 269 S., 39 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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