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Kurz rezensiert
Susanne Kailitz
Kurz notiert

Dass die Chefsessel dieses Landes noch immer überwiegend männlich besetzt sind, ist die Schuld der Frauen. Die sind nämlich zu "vermaust" und "verhühnert", haben sich zurückgezogen in "Komfortzonen" und sehen dort der Heimkehr ihres Versorgers entgegen. Herausgefunden hat all das die ehemalige "taz"-Chefredakteurin Bascha Mika. In ihrem Buch "Die Feigheit der Frauen" rechnet sie mit ihren Geschlechtsgenossinnen ab, die genau jene Fehler gemacht haben, die Mika selbst in ihrem Leben vermieden hat: die gute Ausbildung und alle Karrierechancen in den Wind zu schießen, um Kinder in die Welt zu setzen und im kuscheligen Heim den Widrigkeiten der rauen Arbeitswelt zu entgehen. Mika dagegen hat bewusst auf Kinder verzichtet und Karriere gemacht.

Mika wäre ihr Erfolg auch uneingeschränkt zu gönnen, wenn sie ihren eigenen Lebensentwurf nicht zur Blaupause des idealen weiblichen Daseins stilisieren würde. Denn dass eine Frau auch glücklich sein kann, wenn sie sowohl berufliche Selbstverwirklichung als auch privates Familienglück will und dafür Kompromisse einzugehen bereit ist, kann Mika nicht glauben. Auch wenn sie in ihrem Buch durchgehend von "Wir" spricht, auf Augenhöhe ist sie mit ihren Leserinnen nicht. Dafür argumentiert sie zu sehr von oben herab und schreit ihre Erkenntnisse so laut heraus, dass die Leserin sich die Ohren zuhalten möchte. Dabei hat Mika in einem Punkt recht: "Wir" müssen darüber reden, wie Frauen beruflich weiterkommen und trotzdem eine Familie haben können. Aber vielleicht lieber mit jemandem, der auch zuhört.

Bascha Mika:

Die Feigheit der Frauen. Rollenfallen und Geiselmentalität.

C. Bertelsmann, München 2011; 255 S., 14,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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