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Jan Rübel
Nordost vor Südwest

GORLEBEN II Kontroverse über früheres Erkundungsprogramm im umstrittenen Zwischenlager

Beim Gorleben-Untersuchungsausschuss gelangten die geladenen Zeugen und Sachverständigen erneut zu unterschiedlichen Auffassungen über das Erkundungsprogramm des umstrittenen Zwischenlagers. Im Detail diskutiert wurde dort am vergangenen Donnerstag der sogenannte Rahmenbetriebsplan für die Erkundung des Gorlebener Salzstocks. Auf der einen Seite wurde dazu Henning Rösel, ehemaliger Vizepräsident des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) als Zeuge gehört - auf der anderen Seite Detlef Apel, selbstständiger Berater und Gutachter.

"Das Konzept von 1982 hat sich nicht geändert, bis heute", sagte Rösel. Änderungen habe es indes beim Vorgehen gegeben. "Wir sind im zu erkundenden Gelände gen Nordost gegangen. Nach Südwest konnten wir nicht, da die Besitzer der Salzrechte uns dies verwehrten." Zwar seien Enteignungen diskutiert worden, "wir sind aber im Ergebnis zur Überzeugung gekommen, dass Enteignungen nicht möglich sind", erklärte Rösel vor den Abgeordneten."Dafür musste erst einmal gen Nordost erkundet werden." Man habe den parallelen Ansatz nicht mehr verfolgt, Nordost und Südwest zugleich zu erkunden. "Die Entscheidung sollte nach der Erkundung des Nordostflügels fallen, ob und wie weit nach Südwesten gegangen werden soll", erklärte Rösel.

Der Einschätzung Rösels widersprach der Geologe Detlef Appel. "Bei Gorleben habe ich meine Zweifel", sagte der 68-Jährige. Fehlende Salzrechte bildeten kein Argument für eine Reduzierung des Erkundungsprogramms. "Das kann doch nur dann hinnehmbar sein, wenn es keine andere Option gibt. Aber vor der Situation stehen wir nicht."

Appel forderte, eine Erkundung müsse thematisch und räumlich umfassend angelegt sein. "Ohne genaues Nachgucken kann man in Gorleben keine umfassende Sicherheit gewinnen." So blieben bei Gorleben noch Fragen offen. Wegen der Gasfunde müsse etwa geklärt werden, ob es Wandermöglichkeiten von Kohlenwasserstoffen gebe. "Auch muss Klarheit herrschen, wo Gefahrenbereiche durch Gesteinskörper wie das brüchige Anhydrit liegen."

Der Gorleben-Untersuchungsausschuss geht der Frage nach, ob es bei der Entscheidung der Bundesregierung, sich bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll auf den Standort Gorleben zu beschränken, zu politischen Einflussnahmen oder Manipulationen gekommen ist.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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