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Jan Rübel
FÜNF FRAGEN Zum: Engagement junger menschen gegen rechts

Frau Ministerin, haben Sie in Ihrer Jugend etwas von Rechtsextremismus mitgekriegt?

Ich bin in Minden, Westfalen geboren. Minden ist eine alte Bürgerstadt, mit großer zivilgesellschaftlicher Tradition. Aber Minden hat auch braune Flecken. Ich war erst letztes Jahr bei der Verlegung mehrerer Stolpersteine zur Erinnerung an die während des Nationalsozialismus aus Minden deportierten Juden. Sehr intensiv war auch die Debatte zur Aufarbeitung der deutschen Geschichte während meines Studiums in Göttingen.

Was bringt ein "Flashmob" gegen Nazis, wie in dem Schülerwettbewerb?

Als ich studierte, musste man sich noch mit Menschen auseinandersetzen, die im Nationalsozialismus geprägt wurden. Die Missstände waren gewissermaßen leicht greifbar. Heute wissen wir aus Studien, wie der von Wilhelm Heitmeyer, dass rechtsextremes Gedankengut aus der Mitte der Gesellschaft kommt und damit auch in alltägliches Gedankengut diffundieren kann.

Und der Flashmob?

Ein Flashmob, wie ihn das Gymnasium Starnberg auf dem Münchner Marienplatz veranstaltet hat, bricht auf seine spontane, überraschende Weise diesen Alltag auf und zeigt, was wirklich wichtig ist: Toleranz, Nächstenliebe und Solidarität.

Was können Politiker von den Schüler-Initiativen lernen?

Zunächst habe ich davon gelernt, dass das Engagement gegen Rechts motiviert und auch Spaß machen kann. Wir haben unglaublich lustige, verrückte und witzige Einsendungen, aber natürlich auch ernste und sachliche Beiträge bekommen.

Wird der Wettbewerb des Ministeriums wiederholt?

Das Thema des Engagements gegen den Rechtsextremismus wird auf jeden Fall aktuell bleiben. Aber so einen Erfolg kann man schwer wiederholen. Im Bundesjustizministerium starten wir ab Sommer eine Kampagne mit dem Titel "Mit Recht für…. Zivilcourage". Ob wir auch wieder einen neuen Wettbewerb durchführen, ist noch nicht entschieden.

Die Fragen stellte Jan Rübel.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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