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AUFGEKEHRT
Alexander Weinlein
Keine Rose für Thomas

Das politische Geschäft muss sich so manchen mehr oder weniger schmeichelhaften Vergleich gefallen lassen. Mal ist es der Fußball, der als Metapher für gelungenes oder schlechtes Mannschaftsspiel herhalten muss, mal sind es die Szenen von guten und schlechten Ehen, die beschworen werden. So wie in der vergangenen Tagen, als Linken-Fraktionschef Gregor Gysi der "Ehe" zwischen den Großkoalitionären keine Überlebenschance mehr einräumen wollte, weil gleich mehrere CDU- und CSU-Politiker SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann eine eidesstattliche Erklärung abringen wollten bezüglich seiner Rolle in der Causa Edathy. Zugegeben, das erinnert eher an Rosenkrieg als an frischverliebte Turteltäubchen. Anderseits ist es kein Geheimnis, dass die "GroKo" von Anfang an eher einer arrangierten Ehe glich als einer Liebeshochzeit. Und ob Vernunft im Spiel war, wird sich auch erst noch beweisen müssen.

Vielleicht gehören Union und SPD ja auch eher zu jener Spezies, die sich derzeit in den Medien als "Mingles" einen Namen macht. Das Wortkonstrukt aus "mixed" und "Single" beschreibt Menschen, die zwar gerne regelmäßig das Bett miteinander teilen, ansonsten aber keine weiteren Verpflichtungen eingehen oder gar Verantwortung füreinander übernehmen wollen. Als Beleg für diesen neuen gesamtgesellschaftlichen Trend wird die rapide Zunahme an Dating-Portalen und Single-Börsen im Internet angeführt, die quasi zum unverbindlichen Tête-à-Tête in Serie verführen. Oder diverse TV-Castingshows à la "Bauer sucht Frau" oder "Der Bachelor". Womit wir wieder beim Rosenkrieg wären. In der Union heißt es derzeit: "Thomas, für Dich haben wir heute leider keine Rose."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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