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WALFANG Bedrohte Meeressäuger

Trotz Moratoriums geht die Jagd weiter

06.08.2018
2023-08-30T12:34:33.7200Z
3 Min

"Tierschutz-Drama in Island / Fischer töten und schlachten Blauwal trotz Verbot" - diese Schlagzeile veröffentlichte Bild Online am 12. Juli. "Das wäre ein Skandal, denn einen Blauwal zu töten, wäre auch in Island illegal gewesen", meint Meeresbiologe Fabian Ritter von der Organisation WDC, die sich dem Schutz von Walen und Delfinen verschrieben hat.

Der Blauwal ist der größte aller Meeressäuger und vom Aussterben bedroht. Zwar ergab eine gentechnische Analyse des isländischen "Meeres- und Frischwasserforschungsinstituts" eine Woche später, dass es sich nicht um einen Blauwal, sondern um einen so genannten Hybrid gehandelt habe, einen Mischling aus Finn- und Blauwal, dessen Fang zumindest in Island erlaubt ist. Dennoch ist auch die Jagd darauf international geächtet, und somit sorgte der Fall wieder einmal für entsprechende Empörung bei den Gegnern des Walfangs.

Ausnahmen für Indigene Seit 1986 verbietet ein Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) die Jagd auf die Meeressäuger zu kommerziellen Zwecken. Einige Bestände haben sich seitdem erholt. Ausnahmen lässt das Moratorium für einige indigene Völker in der Nordpolarregion zu, da beispielsweise für die Inuit das Fleisch der Tiere ein wichtiger Bestandteil der Nahrung ist. Eine weitere Ausnahme ist der Fang zu wissenschaftlichen Zwecken. Darauf beruft sich Japan. Aber auch Island und Norwegen stehen am Pranger, weil sie kommerziellen Walfang erlauben. Norwegen hat gerade erst seine Walfang-Quote deutlich erhöht - um 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

"Das sollte gestoppt werden, damit die Bestände sich erholen können", fordert Heike Vesper von der Umweltschutzorganisation WWF. Sie betont aber auch, dass der Walfang gar nicht unbedingt die größte Bedrohung für die Meeressäuger darstellt. "Beifang, also dass Wale ins Netz gehen, wenn gefischt wird, und Umweltverschmutzung, Kollisionen mit Schiffen sowie Aquakulturen gefährden und töten viele Wale. Doch über den Walfang wird am meisten gesprochen", erklärt Vesper. So stürben rund 300.000 Delfine und Kleinwale pro Jahr, weil sie sich in Netzen verhedderten.

"Der Walfang wird schon global reguliert und wäre leichter komplett zu stoppen. Was den Beifang angeht, fehlt ein solch globales Handeln", kritisiert die Umweltschützerin. Schwierig dabei: Beifang kann zwar reduziert werden, letztlich handelt es sich aber um eine Art Unfall, der nur schwer komplett vermieden werden kann. Das gilt erst recht für Kollisionen mit Schiffen, an denen vor allem Finnwale zugrunde gehen, wie Vesper berichtet.

Mangelhafter Schutz In Deutschland lebt als einziger Wal der Schweinswal ganzjährig in den Gewässern der deutschen Nord- und Ostseeküste. Vor der Nordseeinsel Sylt wurde 1999 eigens für ihn ein für die Geburt und Kälberaufzucht wichtiges Gebiet zum ersten Walschutzgebiet Deutschlands erklärt.

Die Tierschützer vom WWF wünschen sich von der Landesregierung in Schleswig-Holstein jedoch weitere Maßnahmen. "Statt auf freiwillige Übereinkünfte mit den Fischern zu setzen, sollte es konkrete Schutzmaßnahmen geben", fordert Heike Vesper. Fabian Ritter vom WDC kritisiert, dass die deutsche Öffentlichkeit zwar gerne nordeuropäische und japanische Walfänger anklage, aber hierzulande selbst wenig für den Schutz der Meeressäuger tue. Er empfiehlt den Konsumenten, den Fischkonsum einzuschränken und sich zum Beispiel über den Fischratgeber von Greenpeace zu informieren, welcher Fischfang den Walbestand am wenigsten gefährdet.