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Parlamentarisches Profil
Götz Hausding
Der Hobbyimker: Manuel Höferlin

D ie Fliegerei hat Manuel Höferlin schon immer begeistert. "Als Kind habe ich sehnsüchtig den Flugzeugen nachgeschaut, die über das Haus geflogen sind, und war gerne bei Flugplatzfesten", erzählt der FDP-Bundestagsabgeordnete. Über den Wolken - da wo die Freiheit angeblich grenzenlos sein soll - wollte er sein. "Mein Berufswunsch damals war Pilot", erinnert er sich. Ein bisschen ist der Wunsch in Erfüllung gegangen - Höferlin besitzt eine Fluglizenz als Privat-Pilot, "der nicht fliegen muss, sondern fliegen darf".

Als Digitalpolitiker im Deutschen Bundestag weiß er natürlich auch, dass die Luft- und Raumfahrt ein Technologietreiber ist. "Ich finde es unheimlich spannend zu sehen, wie sich die Digitalisierung mit der Raumfahrt verbindet", sagt der 46-Jährige, der einer der stellvertretenden Vorsitzenden der Parlamentsgruppe Luft- und Raumfahrt ist. Spannend ja, aber welchen volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen haben die Milliardeninvestitionen in die Raumfahrt? Höferlin spricht von einer "technologischen Speerspitze". Die Weltraumforschung sei ein ganz wichtiger Standfuß, für Entwicklungen, "die allen im täglichen Leben Nutzen bringen", sagt er. "Die Robotik wird getrieben von der Raumfahrt, weil sie etwa durch die langen Funkzeiten zum Mars auf autonome Roboter angewiesen ist." Er ist sich sicher, "dass wir in wenigen Jahren Roboter haben, die Menschen mit Einschränkungen im Haushalt helfen können". Ein ganz praktisches Beispiel sei das GPS-System. Früher habe es geheißen: Was nutzt es uns, wenn das amerikanische Militär Satelliten zur Ortung ihrer militärischen Kräfte ins Weltall schießt. "Heute würde keiner mehr auf das GPS-System verzichten wollen", sagt er.

Und dann ist da noch der Drang des Menschen, Neues zu entdecken. Die Tiefen des Weltraums seien aktuell unerforscht. "Man merkt regelrecht, wie es die Menschheit drängt, darüber mehr zu erfahren", findet er. Auch hier geht es aber nicht nur um den Selbstzweck. "Wer weiß, irgendwann benötigen wir vielleicht das Vordringen in den Weltraum für das Überleben der Menschheit. Eventuell auch als Wohnort", sagt Höferlin.

Deutschland hält er im Übrigen für einen "ganz wichtigen Partner in der internationalen Raumfahrtfamilie". Nicht nur, weil der Astronaut Alexander Gerst schon zweimal auf der internationalen Raumstation ISS war. Sondern auch, weil technische Ausstattungen aus Deutschland bei den Raumfahrtmissionen zum Einsatz kämen, sagt Höferlin, der im September 2017 sein Comeback im Bundestag feierte. 2009 wurde der selbstständige IT-Unternehmer überraschend - auch für ihn selbst - in den Bundestag gewählt. Vier Jahre später scheiterte die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde. Damals habe er sich entscheiden müssen: "Entweder kehre ich der Politik den Rücken und werde wieder Unternehmer. Oder ich helfe meiner Partei beim Wiederaufbau." Die Entscheidung fiel auf Letzteres, "weil ich die politische Kraft der Liberalen wieder in Parlamente bringen wollte".

Die vier Jahre außerhalb des Parlaments sieht er als eine Art Bildungsurlaub an, in dem er ganz normal arbeiten war. "Für vier Monate reicht das Übergangsgeld - dann ist man im Grunde ein Sozialfall, wenn man vorher selbstständig war oder kein Rückkehrrecht auf seinen früheren Job hat", sagt Höferlin. Er habe dann sein Geld mit der Beratung von IT-Mittelständlern verdient und so erfahren, "wie Interessenvertreter arbeiten".

Nachdem er erst einer Regierungsfraktion angehörte und nun in der Opposition ist, sieht er sich dadurch breit aufgestellt. Doch die Berliner Politik reicht ihm offenbar nicht. Zuhause im rheinhessischen Harxheim sitzt er im Gemeinderat. Zudem ist er Hobby-Imker und fliegt in seinem Verein. "Das brauche ich als Ausgleich", sagt er. Schließlich sieht er seine Zukunft als Politiker und nicht mehr als Unternehmer. "Es ist eine erhebende Aufgabe, Politik machen zu dürfen", sagt er und es klingt bei ihm noch nicht einmal pathetisch.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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